Jean Paul Gaultier
© CoverMedia Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier Immer einen Schritt voraus

Dank seiner "inneren Antenne" bringt Designer Jean Paul Gaultier stets brandaktuelle Kollektionen heraus

Jean Paul Gaultier, 62, hat einen guten Riecher für zukünftige Trends.

Das immer junge Enfant terrible der Modeszene fürchtet keine Risiken auf dem Laufsteg und die aktuelle Rückbesinnung auf eine konservative Mode entspricht so gar nicht seinem Geschmack. In einem Interview schrieb Gaultier seinen Erfolg einer "inneren Antenne" zu: "Ich habe eine Antenne in mir, die ich aber nicht immer bemerke. Manchmal kann eine Idee ganz plötzlich kommen, sowie mein erstes Parfüm. Ich wusste, dass ich etwas Süßes und Vanille haben wollte, als ob man plötzlich etwas essen will", erklärte er gegenüber "WWD". Ursprünglich wollte der Modestar ein Unisex-Parfüm auf den Markt bringen, doch nachdem ihm davon abgeraten wurde, entschied er sich für einen Frauenduft - zu seinem Bedauern: "Natürlich kam dann zwei Jahre später CK One auf den Markt."

Ein weiterer Beweis für seine enge Verbindung mit dem Zeitgeist ist seine Tattoo-inspirierte Kollektion aus dem Jahr 1991. Damals war die Körperkunst noch kein Trend, doch Gaultier besuchte zu diesem Zeitpunkt eine Tattoo-Convention und wusste, dass sich das bald ändern würde. Manche Kunstwerke begeisterten den Franzosen damals so sehr, dass er sie direkt in seine nächste Kollektion aufnehmen wollte. "Nachdem ich diese Kollektion herausbrachte, wollten alle Mädchen - Naomi Campbell, Christy Turlington - Tätowierungen und Piercings haben", fügte er hinzu.

Gaultier will mit seinen Kreationen nicht provozieren, sondern die Gegenwart dokumentieren. Zurzeit ist der Designer ein großer Fan von Reality-TV und gestand, dass er diesen "trashigen" Sendungen einfach nicht widerstehen könne. Dass die Leute sich in intimen Situationen filmen lassen, finde er einfach "höchst amüsant".

Den Zustand der Welt findet der Modeschöpfer hingegen alles andere als amüsant. Jean Paul Gaultier blickt besorgt auf die Entwicklung und bedauert, dass viele errungenen Freiheiten wieder verloren gehen: "Ich fürchte, dass einige der Freiheiten, die wir in den 70er und 80er Jahren gewonnen und gefeiert haben, verschwinden. Seht euch nur all die aktuellen Kontroversen über Abtreibung, Sterbehilfe und auch Sexualität an. Es ist wahrhaft superkonservativ!"