Wolfgang Joop
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Wolfgang Joop Glanz & Glorie

Mit der Marke "Wunderkind" geht Designer Wolfgang Joop in der Modebranche konsequent seinen ganz eigenen Weg

Es gibt Designer

, die nennen sich Kreativdirektoren und sind damit beschäftigt, darauf zu achten, dass das Image ihrer Modemarke stimmt. Sie sprechen von "Labels" und "globalen Strategien" und verbringen den großen Teil der kostbaren Arbeitszeit damit, in "Meetings" mit ihren Teams oder Shareholdern zu konferieren. Menschen wie Wolfgang Joop hingegen sind in der Branche nicht mehr häufig zu finden.

Er gehört zu den Persönlichkeiten in der Modewelt, denen man die Leidenschaft von der ersten Sekunde anmerkt. Die ein Leben jenseits des Mainstreams gelebt haben, die sich mit mehr beschäftigen als dem perfekten Rocksaum und die als Sprachrohr ihrer Gedanken die Mode gefunden haben. Joop hat zu sich nach Hause eingeladen. "Erstmal ne Runde reden", ließ er ausrichten. "Danach kann man sich ja immer noch ansehen, wo und wie ich arbeite." Also bringt einem das Taxi in eine feine Wohngegend mit der Allure einer besseren, der guten alten Zeit.

Imposant: Wolfgang Joops "Villa Wunderkind"
© PRImposant: Wolfgang Joops "Villa Wunderkind"

An diesem Junimittag herrscht in Potsdam standesgemäßes Kaiserwetter, über der "Villa Wunderkind", Wolfgang Joops Anwesen am Heiligen See, liegt eine angenehme Ruhe - bis vier bellende Hunde den Besucher in der opulenten Eingangshalle schwanzwedelnd begrüßen. An einem langen Esstisch sitzt, in Trainingshose, Poloshirt und Clogs, der wahnsinnig stilvolle und angenehm höfliche Edwin Lemberg, Joops langjähriger Geschäftspartner und Gesellschafter der Marke "Wunderkind".

Vom Hausherrn selbst erst mal keine Spur. Nach einiger Zeit, die Hunde sind nun genug hinterm Ohr gekrault worden, ruft eine Stimme hinter dem Paravant: "Lottchen, komm mal her!" Die Ridgeback-Hündin tapst in die Küche und bringt ihr Herrchen mit zurück. Wolfgang Joop ist gut gelaunt, sieht frisch aus, scannt das Outfit des Gastes. Er selbst trägt eine schmale Jeans, ein Longsleeve-Shirt in Stahlblau und Chelsea-Boots. Gut sieht das aus, nicht modisch. Selbstverständlich. Echt eben. Er bittet in den Park seiner Villa und fängt sofort an zu erzählen.

Konzentriert bei der Arbeit: Designer Wolfgang Joop
© PRKonzentriert bei der Arbeit: Designer Wolfgang Joop

Über den aufgeschütteten Privatstrand genauso wie über wirtschaftlich schwierige Zeiten und seinen Besuch mit Nadja Auermann bei einer Kunstsammlung. Hin und her hüpfen die Gedankenbälle. Kurzum: Man fühlt sich, als würde man im Grunde täglich beim Wolfgang auf der Terrasse sitzen. Diese außergewöhnliche Atmosphäre muss man kennen, um die Welt von "Wunderkind" zu verstehen.

Die Marke ist das Fenster zu Wolfgang Joops Seele. In ihr spiegelt sich all das Private, Herzliche, ja Familiäre wider, das der 64-Jährige erlebt. "Mein Alltag inspiriert mich. Alles, was ich sehe und fühle, fließt in die Arbeit mit ein - ob Gutes oder Schlechtes", sagt er beim Spargelessen im Garten. Joop weiß, dass die Welt sich im Umbruch befindet. "Vieles in der Modebranche war zu aufgetakelt. Wenn ich mir all die viel zu dürren Models ansehe und das transvestitische Frauenbild einiger meiner Kollegen, bin ich froh, dass diese Ära vorbei ist. Echte Schönheit hat in Zeiten von Size Zero schon fast etwas Skandalöses", erzählt er.

"Zum Schluss ging es vielen Designern doch nur noch darum, Mode zu zeigen, die Moderedakteurinnen gut für ihre Shootings fanden. Wer hat denn noch an die Frauen gedacht?" Mit "Wunderkind" schlägt Wolfgang Joop eine radikal andere Richtung ein. "Meine Mode können alle Frauen tragen, sofern sie bereit sind, für Handwerk auch einen angemessenen Preis zu bezahlen. Es ist doch absurd, dass sich viele frühere Milliardäre arm fühlen, nur weil sie plötzlich nur noch Multimillionäre sind."

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