Wolfgang Joop
© Nicolas Kantor Wolfgang Joop

Wolfgang Joop "Erwachsenes Wunderkind"

Anderthalb Jahre nach dem Abgesang auf Wunderkind erfindet Wolfgang Joop sein Modelabel neu. Warum er es noch mal wissen will, verrät er im Exklusiv-Gespräch mit Gala

Die Sensation kam in Form einer schlichten Einladungskarte

auf den Tisch geflattert: "Wolfgang Joop cordially invites Anne Meyer-Minnemann to the Wunderkind Fall/Winter 2012 Défilé". Er hat es also gewagt! Einen Neustart mit seinem Label Wunderkind, das im Herbst 2010 nach einem Zerwürfnis mit den Investoren - zum Leidwesen vieler Fashionistas - zu Grabe getragen wurde. Nun also wird es auferstehen. Joop gewährte Gala vorab einen exklusiven Blick auf seine neuen Entwürfe und sprach über den schwierigen Prozess der Häutung, der hinter ihm liegt.

Der Mann will wieder hoch hinaus - nicht nur beim Gala-Shooting in der Potsdamer Villa Rumpf. Bei seiner neuen Wunderkind-Kollektion setzt Wolfgang Joop raffinierte Drapierungen ein, die alles sehr feminin wirken lassen.
© Nicolas KantorDer Mann will wieder hoch hinaus - nicht nur beim Gala-Shooting in der Potsdamer Villa Rumpf. Bei seiner neuen Wunderkind-Kollektion setzt Wolfgang Joop raffinierte Drapierungen ein, die alles sehr feminin wirken lassen.

Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder zwischen den Teilen einer Wunderkind-Kollektion zu stehen?

Lang ist die Zeit ja nicht gewesen, verglichen mit den Pausen, die große Marken gehabt haben. Bei Gucci waren das fast 15 Jahre, Jil Sander hat auch länger ausgesetzt als ich. Bei mir waren es nur zwei Kollektionen. Wir haben Wunderkind auch nie ganz einschlafen lassen, sondern heimlich Zwischenkollektionen für unsere noch bestehenden Läden in Berlin und auf Sylt produziert. Aus einem einfachen Grund: Wir haben eine sehr treue Klientel.

Nun ist die Heimlichkeit vorbei, Sie zeigen Ihre neue Kollektion ganz offiziell hier in Potsdam in der Villa Rumpf. Ist das ein kleiner Triumph?

Ich zelebriere meinen "New Look" so wie Christian Dior nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir hatten hier auch einen Krieg, und es sind ein paar Wunden geschlagen worden. Aber sie sind verheilt. Und ich fühle mich in dieser Situation eigentlich sehr wohl.

Sie sprechen von "Krieg", Ihre letzte Schau haben Sie im Oktober 2010 in Paris gezeigt, danach war vorerst Schluss. Was genau war geschehen?

Wunderkind steht für hervorragende Schneiderkunst. Im Herbst werden nun zarte Glockenröcke zu Blumenprints kombiniert; ein schwerer Mantel gibt der Eleganz eine Selbstverständlichkeit.
© Nicolas KantorWunderkind steht für hervorragende Schneiderkunst. Im Herbst werden nun zarte Glockenröcke zu Blumenprints kombiniert; ein schwerer Mantel gibt der Eleganz eine Selbstverständlichkeit.

Es war das Jahr, in dem meine Mutter starb. Ich hatte mich bei meinen Entwürfen in eine Blütenpracht gestürzt, inspiriert von ihrem Garten. Kurz nach der Show mit diesen Blütenorgien kam dann der Albtraum: Wunderkind sollte auch sterben. Es gab zwischen mir und meinen Investoren Unstimmigkeiten in der Ausrichtung der Marke. Ich hatte die Befürchtung, dass die Verlässlichkeit der Zusammenarbeit nicht mehr gegeben war. Im Grunde war es wie in einer nicht mehr funktionierenden Ehe: Man wusste, dass man sich trennen muss, nur die Konditionen waren nicht klar. Hinterher fragt man sich immer: Warum bin ich nicht längst gegangen?

Es muss ein schlimmes Gefühl sein, wenn die eigenen Läden schließen, Mitarbeiter entlassen werden.

Ja, das war sehr schmerzlich. Da waren Leute, die mit ihren Gehältern gerechnet hatten, die Freude an der Arbeit hatten, und dann wurde die Abwicklung beschlossen. In diesen dunklen Monaten bin ich zunächst nach Südafrika gefahren, um alles mit ein wenig Abstand regeln zu können. Ich konnte es nicht ertragen, im Winter in dieses Haus zu gehen, das langsam leer wurde.

Sie haben sich dann in Ihre Kunst gestürzt und eine Kooperation mit Galeria Kaufhof begonnen. Darüber gab es viel Spott, so in die Richtung: "Der Joop ist pleite, der macht jetzt Kommerz." Hat Sie das geärgert?

Das Wort "Schadenfreude" gibt es ja auch auf Englisch bezeichnenderweise nur als deutschen Begriff. Aber es war schon sehr erstaunlich, wie negativ die Pressestimmen zum Teil waren. Dass ich kein Geld mehr hatte, war ja nicht der Fall, und die Arbeit für Galeria Kaufhof hat mir viel Spaß gemacht. Einen so großen Konzern künstlerisch zu beraten und ihm meine "Witchcraft" einzuhauchen, ist für jemanden wie mich, der sonst mit einem sehr kleinen Team kon zentriert arbeitet, eine tolle Herausforderung.

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