Victoria Beckham
© Getty Images Victoria Beckham

Victoria Beckham "Ich bin ein Mode-Messie"

Mit ihrer Kleiderkollektion bezauberte Victoria Beckham soeben bei der New York Fashion Week. Auch privat erhebt Posh die Mode zum Mythos

Mit dem schmalen, feuerroten Abendkleid

verschwinden auch die letzten Zweifel hinter der weißen Wand am Ende des Laufstegs. Victoria Beckham hat es geschafft: Sie ist wirklich Modedesignerin, die Präsentation ihrer dritten Kleiderkollektion während der New York Fashion Week am vergangenen Sonntag wurde dank begeisterter Kritiken der größte Erfolg ihrer Karriere. Ob man ihren Style mag oder nicht – eines muss man ihr lassen: Mit Mode kennt sich die 35-Jährige aus. Seit Jahren shoppt sie sich täglich schlauer und kommt ihrem Ziel, von der Branche ernst genommen zu werden, Schritt für Schritt näher. Wer dazugehören will, zieht sich alle paar Stunden um und hält Shopping für wichtiger als Schlaf.

Aber woher nimmt Mama Beckham die Zeit? Tatsächlich, Frau Auf-Stylisten-bin-ich-nicht-angewiesen shoppt selbst. Ihre simplen Stilregeln: ein exklusiv geschlossener Laden zu jeder Tages- und Nachtzeit, keine Tüten am zarten Handgelenk und ein VIP-Parkplatz für den speziell angeschafften Shopping-Van. Ihre Gegenleistung? Image. Was Victoria trägt, erwischt die Modewelt wie ein Lauffeuer, wird tausendfach zitiert und von Stores sowie Online-Shops überall geordert. Nachdem Posh im Juli im kompletten Balmain-Outfit fotografiert wurde, erlebte die gebleichte Achtzigerjahre-Jeans über Nacht ein Comeback. Die Welt trug Beckham, bewusst oder nicht. Ohne ihren Einfluss hinge Christophe Decarnins Fleckenhose wohl immer noch unbeachtet in den Läden. Um Platzproblemen entgegenzusteuern, hatte Victoria sich eigentlich vorgenommen, keine neuen Heels mehr zu kaufen: "Ich liebe Schuhe, aber ich habe einfach zu viele gekauft. Und, ehrlich gesagt, trage ich selten ein Paar öfter als einmal."

Im Rahmen der New York Fashion Week präsentierte Victoria Beckham bereits ihre dritte Kollektion, diesmal für Frühling/Sommer 2010
© FreitextIm Rahmen der New York Fashion Week präsentierte Victoria Beckham bereits ihre dritte Kollektion, diesmal für Frühling/Sommer 2010

Die 35-Jährige ließ in ihrer Villa in Los Angeles bereits für gut 300 000 Euro einen begehbaren Schrank einbauen. Die Ausstattung: Lederboden, Baccarat-Kristalllüster und ein 55.000-Euro-"Shoe Print" von Andy-Warhol. Eine 360-Grad-Kamera filmt sie bei Bedarf von allen Seiten, und per Computerprogramm werden Kleidungsstücke mit Infos zu Label, Anschaffungsdatum und Anlass, zu dem sie getragen wurden, archiviert. Dank ihrer Freundin, der britischen Innenarchitektin Kelly Hoppen, hat Victoria noch mehr zu bieten: Zwei weitere Räume beherbergen nach Farben und Designer sortierte Accessoires, zu denen mehr als 200 Sonnenbrillen, 800 Paar Schuhe, Hüte, Schals und die berühmte Hermès-Taschensammlung gehören.

Vermutlich ist in Victoria Beckhams Mode-Schatzkammer, einer der größten der Welt, dennoch der Platz so knapp, dass überschüssige (meint: einmal getragene) Kleidung regelmäßig nach England verschifft wird, um dort in einem Lagerhaus untergebracht zu werden. Die hallenartigen Kleiderkammern der britischen Zweitvilla sind nicht weniger überfüllt: "Ich bin ein Mode- Messie", gibt Victoria zu, "ich hänge sehr an meinen Sachen."

Mode gehört ins Team Beckham wie die rote Sohle unter die Louboutins. Die gemeinsame Inszenierung von Vic und Gatte David als Style-Duo schlechthin gelang perfekt. Aber woher hat das Spice-Showgirl aus der englischen Provinz ihr Stilempfinden? Von Leuten, die etwas davon verstehen. Designer wie Roberto Cavalli und Dolce & Gabbana wurden zu ihren Mentoren – und Posh lernte. Der billig glitzernde Fußballerfrauen- Fummel wich langsam einer Erwachsenen- Garderobe. Der Umzug nach Los Angeles sollte die Metamorphose von Proll-Spice zu Lady Victoria vollenden. Doch der optische Balanceakt zwischen ihren Rollen als Mutter, Ehefrau, Society-Star, Business-Lady und Stil-Ikone gelang nicht immer. Zu kalt ihr Image, zu unglaubwürdig die Looks, zu groß die öffentliche Kritik.

Kein Grund allerdings für Rückzug, eine Kämpferin war sie schon immer. Obwohl sie sich als Musikerin bei den Spice Girls anhören musste, als einzige nicht singen zu können, nahm sie ein Soloalbum auf. Und obwohl David sich mit anderen Frauen vergnügte, hielt sie an ihrer Ehe fest. Als der mächtigste Modekritiker der Welt, Richard Blackwell, sie 2007 zur am schlechtesten angezogenen Prominenten kürte, bastelte sie einfach an den Entwürfen ihrer ersten Modekollektion weiter.

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