Tommy Hilfiger
© PR/Annie Leibovitz Tommy Hilfiger

Tommy Hilfiger The American Way of Style

Bereits seit den Achtzigerjahren bringt Tommy Hilfiger den amerikanischen Lifestyle auf den Laufsteg. Mit Gala sprach er exklusiv über Visionen, Krisen und das Geheimnis der perfekten Jeans

Mode - das ist wie eine Eintrittskarte

in einen Club. Mit der Wahl eines Looks, mit dem Tragen einer bestimmten Marke verschafft man sich den Zugang zu einer Gruppe, deren Lebensstil man mag. Man will dazu gehören - und nur darum geht's. Niemand hat dies so gut verstanden wie amerikanische Fashion-Unternehmen.

Seit Jahrzehnten verkaufen sie nicht nur Hosen, Röcke und Pullover. Sie bieten gleich eine ganze Welt und Lebenseinstellung mit dazu an. Als Erstes verstanden hat das der Modedesigner Tommy Hilfiger. Seit 25 Jahren ist Image für ihn genauso wichtig wie die perfekte Passform einer Hose. Mit diesem Konzept gelang es dem heute 59-Jährigen, weltweit eine ganze Generation an sich zu binden. Er baute einen "Club", dessen Gäste vor allem eines sein wollen: lässig, clean, modern - vor allem aber "totally american". Sein Erfolgsrezept würde Hilfiger daher niemals ändern.

Anfang der Siebziger eröffnete Tommy Hilfiger seine erste Boutique "People’s Place" in seinem Geburtsort Elmira bei New York.
© PRAnfang der Siebziger eröffnete Tommy Hilfiger seine erste Boutique "People¿s Place" in seinem Geburtsort Elmira bei New York.

"Meine Marke hat Wurzeln, ein bestimmtes Erbe. Das würde ich niemals ad acta legen", sagt er im Gespräch mit Gala in Berlin. Er ist gut gelaunt. Redet schnell und viel. Anders als andere Designer ist er sehr offen. Sympathisch. Eben grounded. "Ich will den Modecode nur jede Saison forsch und neu präsentieren. Wenn man etwas neu erfindet, dann verändert man es. Das genau will ich aber nicht. Nehmen Sie meine Jeans. Sie sind ein Klassiker. Aber sie sehen doch jede Saison anders aus und sitzen immer perfekt."

Mit dieser Vision gelang ihm innerhalb eines Vierteljahrhunderts der Aufbau eines Imperiums. Nach der Pleite seiner eigenen Boutique - mit dem bezeichnenden Namen "People's Place" - gründete Hilfiger 1985 sein Modelabel. "Ich habe damit angefangen, weil ich selbst aussehen wollte wie ein Rockstar", erinnert er sich. "Aber ich fand einfach nicht die richtigen Klamotten. Also habe ich sie mir selbst geschneidert."

Bis heute ist Hilfiger Teil der Musikwelt. Rapper trugen in den Achtzigern die XXL-Sweatshirts mit dem Firmenlogo. Schon vor Jahren buchte er Stars wie Lenny Kravitz, David Bowie und die Rolling Stones für seine Anzeigenkampagnen. Bis heute tragen viele der A-Class-Promis seine Outfits.

Top-Stars wie Lenny Kravitz, Jennifer Lopez, Bradley Cooper und Christina Hendricks (v.l.) schätzen Hilfigers tragbaren Glamour.
© WireImage.comTop-Stars wie Lenny Kravitz, Jennifer Lopez, Bradley Cooper und Christina Hendricks (v.l.) schätzen Hilfigers tragbaren Glamour.

"Ich habe früher gesungen und fast alle Instrumente ausprobiert. Funktioniert hat leider nichts", erzählt er. "Aber ich mag den Lifestyle, der Musiker umgibt. Eigentlich wollte ich als Kind Rockstar werden. Oder American-Football-Spieler. Aber für das eine war ich zu schlecht. Für den Sport zu klein. Also dachte ich, ich werde Geschäftsmann. Und so habe ich meinen ersten Shop eröffnet."

Mittlerweile weiß nicht nur er: Genau dies war die richtige Entscheidung. Neben seinem großen Rivalen Ralph Lauren, der ebenfalls auf den American Way of Style setzt, gehört Hilfiger zu den erfolgreichsten Designern in den Vereinigten Staaten.

Seine Hauptkollektion zeigt Tommy Hilfiger während der New Yorker Fashion Week. Die aktuellen Looks für Frühjahr/Sommer überzeugen durch tragbare Modernität. Farben werden als Eye-Catcher eingesetzt.
© PRSeine Hauptkollektion zeigt Tommy Hilfiger während der New Yorker Fashion Week. Die aktuellen Looks für Frühjahr/Sommer überzeugen durch tragbare Modernität. Farben werden als Eye-Catcher eingesetzt.

Was mit einem Startkapital von (geborgten) 150 US-Dollar begann, ist innerhalb von nur 25 Jahren zu einem Unternehmen gewachsen, das knapp drei Milliarden Dollar wert ist. Diese gigantische Summe soll der US-Konzern Phillips-Van Heusen gezahlt haben, als er in diesem Jahr das Unternehmen übernahm. Obwohl Hilfiger seine Gründung bereits vor fünf Jahren (für 1,6 Milliarden Dollar) verkauft hatte, ist er bis heute unter anderem Ehrenvorsitzender des Verwaltungsrats und Chef-Designer der Tommy Hilfiger Corporation. Neben der Hauptlinie gibt es Parfums, Accessoires und eine Home-Kollektion. Außerdem bietet die Untermarke "Hilfiger Denim" eine rockigere Mode an. Bei der Hauptlinie setzt der Designer weiterhin auf den Preppy-Look. Adrette Anziehsachen, die vom Leben am College inspiriert sind. "Diese klassische Form der Mode gab es schon immer - und wird es auch immer geben", sagt Hilfiger. "Aber jede Generation trägt sie eben auf ihre Art. Geschmäcker sind verschieden, jeder hat seine eigenen Vorlieben. Wer gern Wiener Schnitzel isst, wird es auch in zehn Jahren lieben. Genauso ist es in der Mode. Wenn jemand Rot, Weiß und Blau mag, wird er das wohl immer tun." Und weil diese Farben für die Marke Hilfiger stehen, ist davon auszugehen, dass die Erfolgsstory so schnell nicht zu Ende gehen wird.

Marcus Luft