Stella McCartney: Stella Mccartney
© Getty Images Stella Mccartney

Stella McCartney Stella im Interview

Ganz schön clever! Stella McCartney macht ihren Kundinnen Komplimente. Aber die Modedesignerin meint es damit tatsächlich ernst. "Gala" traf sie in Berlin

Wenn Frauen über sie reden, sagen sie so was wie: "Der Rock ist von Stella!" Sie nennen sie beim Vornamen, so als sei sie eine gute Freundin. Das ist bemerkenswert. Zum einen werden Designer sonst eher mit dem Nachnamen genannt. Armani. Cavalli. Lauren. Zum anderen hat diese Frau einen der berühmtesten Nachnamen der Welt: McCartney. Doch die Tochter von Paul hat es als Designerin geschafft, etwas Eigenes aufzubauen.

Stella McCartney: Seit zehn Jahren ist die Designerin mit dem Möbelgaleristen Alasdhair Willis verheiratet.
© Getty ImagesSeit zehn Jahren ist die Designerin mit dem Möbelgaleristen Alasdhair Willis verheiratet.

Stella McCartney ist als Jurypräsidentin des "Designer for Tomorrow"-Awards in Berlin. Morgens lernte sie die Finalisten kennen. Am Nachmittag trifft sie sich mit dem "Gala" Fashion Director im Berliner "Soho House". Die vierfache Mutter ist umwerfend sympathisch, sieht in ihrer Boyfriendhose und dem dünnen grauen Pullover fantastisch durchtrainiert aus - und isst eine Nuss. Bis auf einen funkelnden Diamantring trägt sie keinen Schmuck. Stella strahlt selbst.

Stella, zunächst muss ich mich bei Ihnen bedanken. Ich habe Ihretwegen eine Tafel Schokolade gewonnen!

Oh, Glückwunsch. Aber warum?

Ich habe auf Sie gewettet. Und lag richtig, dass Sie die neue Jurypräsidentin des "Designer for Tomorrow"-Awards werden ...

(lacht) Yippie! Hoffentlich hat die Schokolade gut geschmeckt.

Ja, danke. Allerdings war es leicht, die Wette zu gewinnen. Als Peek & Cloppenburg Düsseldorf vor Kurzem bekannt gab, dass Marc Jacobs von einer Designerin auf gleichem Level ersetzt werden sollte, gab es nicht so viele Frauen, die in Betracht kamen. Woran liegt das?

Ach, ich weiß gar nicht, ob wir wirklich so wenige sind. Vielleicht gibt es tatsächlich nur einige Frauen, die eine Marke als kreativer Kopf leiten. Aber in der zweiten Reihe arbeiten jede Menge.

Würde die Mode anders aussehen, wenn mehr Frauen das Sagen hätten?

Das glaube ich schon. Aber natürlich kann ich nur von mir ausgehen. Ich probiere alle meine Kleider selbst an und frage mich, ob sie nicht nur schön, sondern eben auch praktisch sind. Und das Teil muss auch in vielen Jahren noch gut aussehen.

Stella McCartney: Die aktuelle Herbst-Kollektion von Stella McCartney überzeugt wieder durch perfekt geschnittene Mäntel und Boyfriendhosen.
© Getty ImagesDie aktuelle Herbst-Kollektion von Stella McCartney überzeugt wieder durch perfekt geschnittene Mäntel und Boyfriendhosen.

Woran liegt es denn, dass eine Freundin von mir in Shorts von Stella McCartney modern und sexy aussieht - aber in einem ähnlichen Modell, entworfen von einem, sagen wir, älteren Mann, vulgär wirkt?

Ich glaube, da geht es um Details. Nehmen wir eine Bluse. Ich verbringe den größten Teil meiner Arbeit im Atelier damit zu überlegen, wie beispielsweise die Ärmel geschnitten sind. Soll es casual aussehen, feminin, elegant oder eben sexy? Wie gesagt: Es geht um Details.

Würden Sie jemals den Begriff "heiß" für eines Ihrer Outfits benutzen?

Ich finde, dass sich Frauen darin wohlfühlen müssen. Natürlich kann man sich auch für einen Mann sexy anziehen. Aber dafür muss man seine Boobies nicht bis unters Kinn schnüren und den kürzesten Rock tragen.

Ihre Kundinnen sind Teil einer jüngeren Generation von Frauen, die Mode in erster Linie für sich selbst kaufen?

Ich würde das gar nicht auf das Alter beschränken. Ich bin sehr oft in meinen Läden und weiß daher ziemlich genau, wer meine Mode kauft. Da gibt es kein bestimmtes Alter. Es sind Frauen, die es schätzen, wie ich arbeite. Die meine Philosophie verstehen. Meine Philosophie ist: Ich will schöne Produkte entwerfen und möchte dazu keine toten Tiere verarbeiten, also kein Leder und keinen Pelz.

Was noch immer ungewöhnlich ist in der Modebranche ...

Die meisten Modeunternehmen denken einfach wahnsinnig veraltet. Aber ich frage Sie: Was soll an Pelz modern sein? Es ist ein völliger falscher Begriff von Luxus. Man provoziert ja nicht mal
mehr damit. Jeder kann sich heute ein totes Tier umhängen.

Stella McCartney: Stolzer Vater: Paul McCartney besucht regelmäßig die Schauen seiner Tochter, hier mit Kate Moss, eine enge Freundin. Sie lief bereits für Stellas Abschlussshow am College.
© Getty ImagesStolzer Vater: Paul McCartney besucht regelmäßig die Schauen seiner Tochter, hier mit Kate Moss, eine enge Freundin. Sie lief bereits für Stellas Abschlussshow am College.

Als wir bei "Gala" beschlossen, keinen Pelz mehr zu zeigen, waren die Leser begeistert. Sind die Endverbraucher weiter, als einige Modemarken denken?

Absolut. Frauen sind intelligenter, als viele meinen.

Ihre Marke gehört zur Gucci Group, einem Luxusunternehmen, das von teuren Accessoires aus Leder lebt. Gab es keinerlei Diskussionen über Ihre Einstellung?

Wer mich will, weiß, was er bekommt.

Keine Kompromisse?

Natürlich gehe ich Kompromisse ein - bei meiner Familie und Freunden. Aber ich bin kompromisslos, wenn es um meine ethischen Prinzipien geht.

Der Erfolg gibt Ihnen recht. Nun waren Sie sogar bei der Queen ...

Ach Gott, ja.

Sie wurden mit dem Orden "Officer of the British Empire" geehrt. Mussten Sie vorher den Hofknicks üben?

Ja. Allerdings erst wenige Augenblicke vor dem Treffen.

Und wie war es bei der Queen so?

Nett. Es war vor allem für meine Kids ein toller Nachmittag im Palast.

Als Sie 2001 Ihr eigenes Unternehmen gründeten, sahen viele in Ihnen lediglich "die Tochter von Paul McCartney". Heute spricht man eher über Ihre Leistung. Hätten Sie damit gerechnet?

Nein, hab ich nicht. Umso glücklicher bin ich, dass es so ist.