Sibel Kekilli

"Ich fühle mich schön so, wie ich bin"

Sibel Kekilli ist zierlich, aber stark und selbstbewusst. So zeigt sich die Schauspielerin auch im exklusiven GALA-Mode-Shooting

Sibel Kekilli

Es regnet in Strömen. Ziemlich schlechte Voraussetzung also, denn das Shooting mit Sibel Kekilli, 36, soll draußen stattfinden, am Hamburger Elbstrand. Doch die Schauspielerin ("Tatort", "Game Of Thrones") vertraut voll auf die Hafen-Wetter-Vorhersage. Die verspricht: trocken ab 15 Uhr. Und tatsächlich! Um 15:05 Uhr, gerade als Kekilli im Wohnwagen das erste Outfit anzieht, hört der Regen auf.

Wie ist es für Sie als Schauspielerin bei einem Mode-Shooting mitzumachen?

Wenn das Wetter wie jetzt mitspielt, toll! Es macht Spaß. Manchmal bin ich vielleicht anfangs etwas unbeholfen, weil ich ja keine Rolle spiele, sondern ich selbst bin. Doch wenn das Team gut ist, fühle ich mich auch schnell wohl.

Schwarzes Kostüm aus Wildleder mit weißer Western-Stickerei von Fay.

Schwarzes Kostüm aus Wildleder mit weißer Western-Stickerei von Fay.

Mögen Sie das dunkle Make-up und den düsteren Look?

Ich dachte erst, oh wow, sehr edgy und ungewohnt. Aber ich mag den Look, weil es was anderes ist und einen starken Kontrast zum Schmuck darstellt.

Der Schmuck stammt aus einer Kollektion namens "Cactus"“. Kakteen sind ja Pflanzen ohne hohe Ansprüche. Wie ist das denn bei Ihnen?

Was die Ansprüche an mich selbst betrifft, da bin ich sehr streng mit mir. Und weil ich so hohe Ansprüche an mich selbst habe, erwarte ich auch viel von anderen Menschen.

Wird man da nicht auch oft enttäuscht?

Ja, ich muss mich oft ermahnen und mir sagen: Lass' einfach mal laufen.

Sind Sie so perfektionistisch?

Also sagen wir es mal so: Ich habe eine To-do-Liste im Kopf. Einige Punkte darauf kann ich zwar auch mal an andere übergeben, aber dann kontrolliere ich ständig, ob das jetzt auch tatsächlich erledigt wird, damit ich den Punkt abhaken kann. Das ist für die Menschen um mich herum manchmal sicher anstrengend. Ich werde aber nie unangenehm, ich muss einfach lernen, geduldiger zu sein.

Zurück zu den Kakteen: Die passen sich sehr gut an ihre jeweilige Umwelt an. Trifft das auch auf Sie zu?

Wenn ich irgendwo zelten oder campen müsste, dann wahrscheinlich nicht! (lacht) Aber ich denke, da ich gerne reise, Menschen und andere Kulturen kennenlerne, kann ich mich ganz gut meinem Umfeld anpassen.

Schwarzes Samtkleid mit goldener Sternenstickerei von Valentino. "Cactus" Ohrringe und Ring von Cartier

Schwarzes Samtkleid mit goldener Sternenstickerei von Valentino. "Cactus" Ohrringe und Ring von Cartier

Kakteen haben Dornen zum Schutz, zur Abwehr. Wann setzen Sie Ihre Dornen ein?

Ich mag es nicht, wenn ich angelogen werde oder wenn Menschen um den heißen Brei reden. Klare Ansagen, die Wahrheit, das macht es doch für alle einfacher. Auch bei Ungerechtigkeiten fahre ich meine Dornen aus. Wenn Leute wegsehen statt einzugreifen, dann werde ich schon mal wütend.

Einige Kakteen sind auch wunderschöne Pflanzen. Wie wichtig ist Ihnen Schönheit?

Natürlich ist das Aussehen wichtig, aber Gepflegtheit und vor allem Charisma sind viel wichtiger für mich. Doch für viele Menschen ist Schönheit das Wichtigste überhaupt. Vor allem die sozialen Medien unterstützen diese oberflächlichen Denkmuster sehr. Dadurch fühlen sich besonders die Frauen so unter Druck gesetzt. Dabei liegt Schönheit doch eh im Auge des Betrachters, da sollte man entspannter sein. Es ist alles so extrem geworden.

Opulent bestickter Kimonomantel, geblümte Seidenbluse und Trägerkleid von Etro. Alle Schmuckstücke auf diesen Fotos: "Cactus de Cartier", Ohrringe, Kette und Ringe aus 18 Karat Gelbgold mit Diamanten und blauem Lapislazuli von Cartier

Opulent bestickter Kimonomantel, geblümte Seidenbluse und Trägerkleid von Etro. Alle Schmuckstücke auf diesen Fotos: "Cactus de Cartier", Ohrringe, Kette und Ringe aus 18 Karat Gelbgold mit Diamanten und blauem Lapislazuli von Cartier

Wie meinen Sie das?

Heutzutage muss man sich rechtfertigen, dass man normal altert, dass man einen Bikini trägt, obwohl man kein Sixpack hat, dass man nach der Geburt nicht sofort einen After-Baby-Body hat. Allein das Wort After-Baby-Body finde ich grässlich. Wir selbst haben keine Kontrolle mehr über uns, alles wird von außen bestimmt. Ich möchte mich nicht für andere verkleiden. Ich fühle mich schön so, wie ich bin.

Sie haben gerade zum ersten Mal Regie geführt, bei einer Dokumentation über die Terredes-Femmes-Chefin Christa Stolle. Würden Sie wieder mal als Regisseurin arbeiten?

Ja, wenn ich noch mal die Möglichkeit hätte, sofort! Es hat Spaß gemacht, mal mehr Verantwortung zu haben als sonst als Schauspielerin. Ich würde auch gern mal einen Spielfilm drehen.

Und wie sieht Ihre Planung für die Zukunft sonst aus?

Ich versuche wirklich, im Hier und Jetzt zu leben. Egal, was man plant, es kommt ja dann doch meistens anders, das Leben kommt dazwischen. Gerade bin ich auch an einem Punkt, an dem ich mich frage, was ich eigentlich will? Will ich Regie führen, will ich schreiben, will ich eine Weltreise machen, will ich im Ausland leben? Es ist ganz schön schwierig, sich mal hinzusetzen und Bestandsaufnahme zu machen.

Wir sind gespannt, was da noch kommt.

Ich auch.

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