Richard Avedon

Dior im Elefantenstall

Wie kaum ein anderer Fotograf prägte Richard Avedon die Mode- und Starfotografie des 20. Jahrhunderts. Eine Retrospektive in Berlin ehrt nun das Werk des Künstlers

Richard Avedon und Sofia Coppola

Richard Avedon und Sofia Coppola

Als 2004 starb, verlor die Welt, da waren sich Kunst- und Modeszene einig, einen der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Der Berliner Martin-Gropius-Bau ehrt den Starfotografen nun ab dem 19. Oktober mit der ersten in Deutschland.

Der 1923 in New York geborene Richard Avedon begann bereits in seiner Militärzeit mit der Fotografie: Zwischen 1942 und 1944 war er bei der Handelsmarine und fertigte die Porträts für die Dienstausweise der Marineangehörigen. Die immer gleichen Aufnahmen der Soldaten vor neutralem Hintergrund und ebensolchem Ausdruck sollten später Einzug finden in Avedons typische Porträtkunst. Doch zunächst studierte er nach seiner Militärzeit bei Alexy Brodovitch im "Design Laboratory" in New York und gründete anschließend als 23-jähriger das Richard-Avedon-Studio. Schnell bekam er die Möglichkeit, den "New Yorker" mit Porträtaufnahmen zu beliefern. Dabei kam er auch erstmals mit prominenten Modellen zusammen. Bald wurden die Modemagazine "Harper's Bazaar" und "Vogue" zu seinen Arbeitgebern und er galt fortan als Wunderkind der Modefotografie, so dass er 1950 vom "Art Directors Club" die "Highest Achievement Medal" verliehen bekam.

Richard Avedon erlangte nicht nur aufgrund seines relativ jungen Alters einen hohen Bekanntheitsgrad, sondern vor allem für seine innovativen, teils unkonventionellen Arbeitsmethoden. Er gilt als der erste kommerzielle Modefotograf, der das Studio verließ und Haute Couture in anderen Umgebungen präsentierte. So gilt der Fototermin mit dem damals weltberühmten Model Dovina für Dior als bahnbrechend - der fand in einem Elefantenstall zwischen Mist, Heu und den Dickhäutern selbst statt.

Haute Couture im Elefantenstall - ein Fotoshoot von Richard Avedon für Dior im Jahre 1955

Haute Couture im Elefantenstall - ein Fotoshoot von Richard Avedon für Dior im Jahre 1955

Avedon arbeitete für alle großen Magazine und Modehäuser und mit der Zeit kamen immer mehr Prominente aus Politik, Gesellschaft und Showgeschäft, die sich explizit von ihm ablichten lassen wollten. Darunter die Kennedys, und seine Factory-Mitglieder, , Elisabeth Taylor, die Beatles, , Janis Joplin und viele viele mehr.

Charlie Chaplin selbstironisch über seine Verteufelung in den USA  - Portrait Richard Avedons von 1952

Charlie Chaplin selbstironisch über seine Verteufelung in den USA - Portrait Richard Avedons von 1952

Fotografie

Die berühmtesten Modefotografen

David LaChapelle vor zwei seiner berühmtesten Modelle: David Beckham und Madonna
Helmut Newton vor einem seiner Fotos
Richard Avedon vor einem seiner Portraits
Patrick Demarchelier bei der Arbeit

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Provozierend wirkte ein Bild mit Charlie Chaplin vor dessen erzwungener Ausreise aus den USA: Der Komiker und Regisseur legt die Hände wie Teufelshörner an die Stirn und verballhornt somit die überzogene Angst der Amerikaner vor dem angeblich kommunistischen Teufel. Avedon bezog durch diese Zusammenarbeit eindeutig Stellung gegen diese Politik der Angst. So war sein Werk nicht auf die schillernde Welt der Prominenten und der Mode beschränkt, politisches Engagement war ihm wichtig. Er wollte das sogenannte "andere Amerika" zeigen, arme Wanderarbeiter des Westens, Bürgerrechtskämpfer des Südens oder auch Geisteskranke, die er in Kliniken besuchte. Durch persönliche Erfahrungen dazu veranlasst, habe er versucht "nicht die Schrecken der Psychiatrie zu zeigen, sondern wie wir uns mit diesen Menschen identifizieren könnten, dass sie uns nicht fremd erscheinen", so Avedon selbst über seine Intention.

Einmalig blieb seine Darstellung von durch Napalmbomben verbrannte Kinder aus Vietnam während des Krieges. Als Statement gegen den Krieg gedacht, verweigerte sich Avedon später der Gewaltdarstellung in seinen Bildern, da er der Überzeugung war, Gewalt in Bildern würde bloß weiter Gewalt fördern. Dies hinderte ihn später nicht, das Sterben seines Vaters auf schockierend offene Weise fotografisch zu dokumentieren. Über Monate begleitete er diese von ihm sehr geliebte Person auch mit der Kamera, ungeschönt zeigte er Krankheit und Verfall.

Richard Avedon vor einem seiner Portraits

Richard Avedon vor einem seiner Portraits

Richard Avedon starb mit 81 Jahren am 1. Oktober 2004 an den Folgen einer Hirnblutung.

Dass die Retrospektive nun in zu sehen sein wird, schließt den Kreis knapp zwanzig Jahre nach Avedons erster Arbeit in der deutschen Hauptstadt. In der Silvesternacht 1989/1990 hatte er den Jahreswechsel im Jahr des Mauerfalls dokumentiert, indem er auf höchst wechselvolle Art die feiernden Menschenmengen ablichtete.

Bilder dieser Brandenburger-Tor-Serie und annähernd 200 andere Werke sind vom 19. Oktober bis zum 19. Januar 2009 in der Ausstellung "Richard Avedon: Fotografien 1946 - 2004" im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Stefan Gropp

Richard Avedon dokumentierte die erste Silvester-Nacht in Berlin nach dem Mauerfall

Richard Avedon dokumentierte die erste Silvester-Nacht in Berlin nach dem Mauerfall

Twiggy, das erste Magermodel der Welt  -  1968 fotografiert von Richard Avedon

Twiggy, das erste Magermodel der Welt - 1968 fotografiert von Richard Avedon

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