Kendall Jenner
© Splashnews.com Kendall Jenner

New York vs. Los Angeles Stil-Duell der Metropolen

New York und Los Angeles sind die größten Städte der USA – und die coolsten. Doch der Look ihrer Bewohner könnte nicht unterschiedlicher sein …

Von wegen: Grau ist Grau und nur was für Mäuse. Die Varianten beim Styling dieser Farbe können enorm groß sein. Nehmen wir Kendall Jenner: In New York flaniert das Model in einer schieferfarbenen Bundfaltenhose über die Fifth Avenue. Nur wenige Tage später trägt Jenner wieder Grau, jetzt aber kombiniert sie zerschlissene Kaschmir-Sweatpants zum betongrauen Pullover und trägt dazu weiße Stan-Smith-Turnschuhe. Dieselbe Frau, dieselbe Uhrzeit – warum so verschiedene Looks? Weil sie in zwei verschiedenen Städten getragen werden, die gerade um den Ruf der coolsten Metropole der USA kämpfen: New York und Los Angeles.

New York vs. Los Angeles: Supermodel Gigi Hadid im sexy "New York"-Style.
© Splashnews.comSupermodel Gigi Hadid im sexy "New York"-Style.

Viel Unterschiedlicher können Orte kaum sein. Dabei geht es nicht nur um den legendären, seit Jahrzehnten schwelenden Kampf zwischen der Ostund der Westküste Amerikas (vergleichbar mit der augenzwinkernden Konkurrenz zwischen München und Hamburg). Hier geht es um Lebenseinstellungen. Die Bewohner rund um Hollywood trinken gerne Wasser mit Zimmertemperatur. Sie bestellen sich Rote-Bete-Saft zum Bio-Hühnchen an Quinoa-Salat und haben überhaupt kein Problem damit, verschwitzt in einem Meeting zu sitzen. Im Gegenteil: Das morgendliche Hiking oder der Besuch im Gym gehören hier dazu wie in New York das morgendliche Koffein und Martinis am Abend. "In Los Angeles tragen sogar Millionäre Jogginghose", erklärt Johnny Wujek, Stylist für Katy Perry und Amber Heard. "In New York dagegen würden Geld und Ruhm niemals mit Bequemlichkeit und Comfy-Mode einhergehen. Kein New Yorker nimmt Celebritys in Jogginghose ernst!"

Noch deutlicher werden die Unterschiede auf der Straße. Der Gehweg ist der Runway der Lässigen – mit ganz unterschiedlichen Looks. Zwischen Brooklyn und Central Park regiert Schwarz. Frei nach der Devise, dass alles so cool sein muss, bis es schmerzt. Eine typische New Yorker Socialite hat die zwanzig teuersten und ausgewähltesten schwarzen Kleider der Saison im Schrank hängen. Die schwarze Lederjacke gilt nach wie vor als Must. Außerdem braucht sie die neueste It-Bag. Die ist in New York so wichtig wie in Los Angeles das richtige Auto. Kurz gesagt: Eine Chanel-Tasche in New York entspricht dem aktuellen Tesla-Modell in Los Angeles. Zwar zeigt man auch in den Hochhausschluchten, was man hat. Aber es darf nicht zu auffällig sein. Mehrkarätige Diamanten? Yes, please – aber bitte klassisch gefasst. Auf dem roten Teppich würde die New Yorkerin nicht jeden Exhibitionismus-Schub der Westküsten-Stars mitmachen. Als Julianne Moore, typisches Stilbeispiel für eine coole New Yorkerin, von einem Fotografen in Hollywood gefragt wurde, ob sie mal ihr Kleid heben könnte, damit man ihre Schuhe sieht, antwortete sie: "Ich brauche das nicht zu tun. Lassen Sie uns die Würde behalten."

Gigi Hadid
© Splashnews.com, PRUrban Chic: Uptown-Ladys und Downtown-Girls bevorzugen einen klassischen Stil. Ihre Outfits haben etwas Geschäftliches, Farben werden eher über die Accessoires gespielt.1. Perfekt für die Fifth Avenue: Bowling-Bag von Comma; 2. Runde Sonnenbrille in dezentem Blau, von Mykita; 3. Schuh mit Eyecatcher-Absatz: eleganter High Heel von Boss; 4. Sieht super zur schmalen Hose aus: Longshirt von Zara

Anders laufen die Dinge die an der Westküste. Hier ist es jedem gestattet, in den engsten Shorts aufzutauchen, egal zu welcher Tageszeit, gern kombiniert mit einem riesigen Hut und auf dem Kopf und einer Yoga-Matte unterm Arm. Bestes Beispiel: das California Girl Kate Hudson. Falls sie nicht in den üblichen Boho-Hippiekleidern unterwegs ist, liebt Hudson ihre Sport-BH-Kollektion. "Ich bin immer in Bewegung. Ein paar Squats im Hof gehen doch immer!" In Los Angeles gibt es keine normalen Basic-Looks. Hier schreit jedes Alltagsoutfit: "Ich komme gerade aus dem Gym" oder: "Hey, ich muss gleich zum Yoga!" Hier trifft man Halle Berry oder die Kardashians in Gymnastikhosen im teuren Öko-Supermarkt und keinen stört es. Im Gegenteil: Eher wird man komisch angeschaut, wenn man seinen Gemüse-Smoothie aufgebrezelt in Chanel bestellt.

Sogar die Gesichter der Bewohnerinnen unterscheiden sich voneinander. "In New York wollen die Frauen nicht aussehen, als würden sie in Los Angeles wohnen", sagt Dermatologe David Colbert. "Die New Yorkerinnen wollen härtere Gesichtszüge und ein maskulines Kinn", ergänzt Beverly-Hills-Dermatologin Eva Chamban. Das passt zum "Big Apple", der von Macht, Geld und Durchsetzungsvermögen geprägt ist. Anders als Los Angeles: Hier geht es um Sex, Prominenz und die unstillbare Lust am Auffallen. Daher liebt man feminine, fast comicartige Gesichter. Der "Look" muss so prägnant sein, dass er auch trotz Instagram-Filter erkennbar ist. Diskretion gilt als kontraproduktiv. Zum Beispiel Kylie Jenner: Die ließ sich neulich Riesenlippen spritzen – und prompt empfahl Schwester Kim ihr, diese Behandlung auf keinen Fall zu verschweigen. "Wenn dich jemand nach deinen Lippen fragt, sei einfach ehrlich. Sag ihnen, dass es wirklich keine große Sache ist. Jeder soll das tun, was ihn glücklich macht!" Expertin Kim weiß, wie man auf den Thron der ungekrönten Westküsten-Königin kommt.

Gigi Hadid
© PR, Splashnews.comModern Hippie: Hier kommt man gerade aus dem Gym – oder ist auf dem Weg dorthin. Sportliche Styles gehören zum Alltag, gemixt mit lässigen Klamotten, die auch auf Festivals getragen werden können.1. Gladiatoren-Sandalette von Tamaris; 2. Jumpsuit mit Paisley-Muster und Quasten, von Review; 3. Heiß geschnittene Denim-Hotpants mit Knopfleiste, von Sessun

Gerade ändert sich Vieles in Los Angeles: Szene-Menschen verlassen New York und ziehen an die Westküste. L. A. gilt, vor allem bei Musikern, Models und Künstlern, derzeit als "the place to be". Bleibt abzuwarten, wie sich die Stadt durch den Mix zweier Lifestyle-Gesellschaften verändern wird. Schon jetzt nehmen immer mehr Stars Abschied von Schönheitsoperationen, die sie zu künstlich erscheinen lassen. Gwyneth Paltrow zum Beispiel schwor dem Botox ab. "Ich probiere gerne vieles aus. Aber Botox lasse ich mir nicht mehr spritzen. Ich sah irgendwie verrückt aus!" Für Frauen wie sie steht das Nervengift neuerdings auf dem Index wie High-Carb-Nudeln und Schokolade. Schönheitsdoktoren reagieren bereits und bieten "Baby Botox" an – eine niedliche Umschreibung dafür, dass nur noch winzige Mengen gespritzt werden. Dadurch soll das Gesicht nicht mehr wie eine unbewegliche Maske aussehen.

Und auch die New Yorkerinnen reagieren umgekehrt ein wenig Westcoast-like. Sogar Julianne Moore: Die tauchte kürzlich zur Fashion-Show ihres guten Freundes Tom Ford in Los Angeles in einem Mikro-Mini auf. Dagegen sah selbst Jennifer Lopez aus wie ein braves Mädchen. Am Anfang wirkte Moore noch etwas unbeholfen dabei, viel Bein zu zeigen. Später gelang es ihr mühelos. Offenbar übernimmt man den heißen Los-Angeles-Style schneller, als den coolen New Yorkerinnen bewusst ist.