Mode-Statement

Black Power

Die gesamte Modebranche kämpft gegen die Diskriminierung schwarzer Models. Vor allem deutsche Marken engagieren sich jetzt

"Schwarz verkauft schlecht."

Drei kleine Worte, die Karriere­träume platzen lassen können. Ein Satz, den Chefredakteure interna­tionaler Modemagazine immer wieder sagen, weil dunkelhäutige Models auf dem Cover angeblich zu wenig Auflage machen.

Tyra Banks feierte mit Kolleginnen in New York die "Black Issue" der italienischen "Vogue"

Tyra Banks feierte mit Kolleginnen in New York die "Black Issue" der italienischen "Vogue"

Gefragt seien hellhäutige Frauen, gewünscht sei der westeuropäische Typ. Manche dieser Chefs schieben dann noch entschuldigend nach: "Ich würde ja gern, aber die Leserin will es nicht." An dieser These muss man jetzt ernsthaft zweifeln: Ausgerechnet die "Black Issue" der italienischen "Vogue" verkaufte sich nämlich überdurchschnittlich gut. In Mailand, dem Sitz der Redaktion, heißt es, die Ausgabe sei an vielen Kios­ken im Handumdrehen ausver­kauft gewesen.

Chef­redakteurin , neben US-"Vogue"-­Chefin eine der einflussreichsten Fashion-Frauen, ließ gleich vier unterschiedliche Cover mit schwarzen Models – zum Beispiel – drucken. Zudem waren alle Mode­strecken mit afrikanischen oder afroamerikanischen Frauen produziert wor­den, und alle Geschichten drehten sich um das Leben Dunkelhäutiger. , der weltweit zu den führenden Mode­fotografen gehört, verantwortete das Cover-Shooting und betrachtete das Projekt "Black Issue" als eine Herzens­angelegenheit: "Ich finde die Diskriminierung fürchterlich. Es ist verrückt, dass wir in solch einer ­engstirnigen Welt leben."

Hat sich seit den Sechzigerjahren in der Modewelt also nichts verändert? Damals sorgte für einen Skandal, als er zum ersten Mal schwarze Models über den Laufsteg schreiten ließ.

Schon für die Sommerkampagne des deutschen Labels "St. Emile" stand Alek Wek vor der Kamera. Auch für den Herbst engagierte amn

Alek Wek ist das ausdrucksstarke Kampagnengesicht des deutschen Labels "St. Emile"

Bis heute blieb es die Ausnahme, dass Dunkelhäutige gebucht werden. Beispielsweise ist Saint Laurent das einzige große Luxus-Haus, das in diesem Herbst mit Naomi Campbell zusammenarbeitet. "Der Mode­himmel ist weiß!", ­beschwerte diese sich. Schwarz ist er meistens nur dann, wenn eine Kollektion von Afrika inspiriert wurde und eine "rassige Frau" gebraucht wird, dem Klischee folgend gern für Animal-Print-Kreationen.

Doch das soll sich jetzt ­ändern. Deutsche Firmen sehen sich als Vorreiter für die Multi-Kulti-Idee. So ­arbeitete "St.Emile" bereits in der Frühjahr-Sommer-Saison 2008 mit der ­Sudanesin ; die Anzeigenserie wird im Herbst fortgesetzt. Auch "Blacky Dress" will Zeichen setzen: Das Berliner Label startet 2009 seine Kampagne "Colour for fashion". Ein Schritt in die richtige Richtung. Am Ziel ist die Branche aber erst, wenn es irgendwann gar nicht mehr auffällt, wie viele dunkelhäutige Models auf den Lauf­stegen in Mailand, Paris und New York zu sehen sind.

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