Mode Jetset

Die Macht der Coolness

Sie sind Boheme und trotzdem bodenständig, setzen Trends ohne Allüren. Die französische "Vogue"-Chefin Carine Roitfeld sorgt gemeinsam mit Sohn und Tochter für Aufruhr in der Fashion-Welt

Vladimir Restoin-Roitfeld, Carine Roitfeld

Vladimir Restoin-Roitfeld, Carine Roitfeld

Manche Menschen versuchen cool zu sein

, indem sie alles kopieren. Sie lassen sich eine Trendfrisur schneiden, tragen eins zu eins jene , die sie in den Illustrierten sehen, und trinken im schlimmsten Fall - wow, wie dekadent! - Champagner aus der Flasche. Cool werden sie dadurch aber nicht.

Und dann gibt es Menschen, die tragen, was ihnen gefällt, handeln, wie sie es für richtig halten. Menschen wie die Roitfelds. Coole Typen. Gäbe es eine Königsfamilie des Chics, es wären wohl die Roitfelds. Das illustre Fashion-Volk verehrt Carine und ihre Kinder Vladimir und Julia. Im Internet werden die Outfits des Trios täglich kommentiert. Auf "iwanttobearoitfeld.com" kann man beinahe jeden Schritt der drei Franzosen verfolgen. Im Oktober soll ein Bildband über Carines Look veröffentlicht werden. Schon jetzt zählen viele Fans die Tage bis dahin.

Julia Restoin-Roitfeld sitzt bei Fashionshows immer häufiger neben ihrer Mutter Carine Roitfeld.

Julia Restoin-Roitfeld sitzt bei Fashionshows immer häufiger neben ihrer Mutter Carine Roitfeld.

Queen Carine, Tochter eines russischen Filmproduzenten und einer Französin, wurde 2001 Chefredakteurin der französischen "". Sie selbst sieht sich als "der Punk in der 'Vogue'-Familie'. Sie provoziert gern, zeigte auf dem Cover schon mal einen Transvestiten mit endlos langen Beinen und Minirock, legte einer anderen Ausgabe "als Geschenk für die liebe Leserin" einen Kalender mit Bildern von gefesselten Frauen bei. Sie war die Erste, die zu Beginn der jüngsten Wirtschaftskrise bei Fotoproduktionen günstige Mode unter die üblichen, sündhaft teuren Kollektionsteile mischte. Ein Tabubruch in der Hochglanzwelt. Vor zwei Jahren wurde sie als heiße Kandidatin für die baldige Nachfolge von , übermächtige US-"Vogue"-Chefin, gehandelt. Doch blieb.

US-Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour (l.) gilt als die große Widersacherin von Carine Roitfeld.

US-Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour (l.) gilt als die große Widersacherin von Carine Roitfeld.

Der Verlag fürchtete turbulenten Zeiten. ärgerte sich laut und unverblümt: Sie ließ eine Modestrecke produzieren, in der die aussahen wie Anna Wintour, und nannte die Rivalin eine "Marionette". Wintour ließ alles an sich abprallen. Auch aktuell gibt es schon wieder Trouble. Das Modehaus Balenciaga setzte Carine Roitfeld gerade auf die schwarze Liste. Angeblich sind alle Anzeigen storniert (Drama!), und Madame wurde für die künftigen Schauen aus der ersten Reihe verbannt (großes Drama!). Hintergrund: Sie soll ein von Balenciaga ausgeliehenes Kollektionsteil, einen Mantel, an den Konkurrenten Max Mara weitergegeben haben. Dort, so heißt es, wurde das Modell dann kopiert (sehr großes Drama und feinster, PR-trächtiger Klatsch!).

It-Girls

Die It-Girls für "Mango"

Daisy Lowe für Mango
Daisy Lowe privat
Julia Restoin Roitfeld für Jil Sander
Julia Restoin Roitfeld privat

11

Das Netzwerk von Carine Roitfeld ist engmaschig, denn sie fing schon früh an, es zu knüpfen. Als Stylistin begann sie ihre Karriere gemeinsam mit bei Gucci. Auch heute noch kann man sie als Beraterin buchen. Ihre Meinung ist den Modefirmen viel wert. Insidern zufolge erhält sie für ihre Tätigkeit 10.000 Euro. Pro Stunde. Man jettet durch die Welt, fliegt mal eben zum Dinner mit nach London, macht kurz Urlaub an der Côte und hat natürlich immer die Telefonnummern der wichtigsten Fotografen und Models dabei. Man kennt einander, man hilft einander. Dank Tom Ford konnte Carine Roitfelds Tochter Julia, eine ausgebildete Grafikdesignerin, ihre Modelkarriere starten. Immer häufiger ist sie jetzt allerdings bei Fashionshows an der Seite ihrer Mutter zu sehen. Ganz selbstverständlich begrüßt Julia alle großen Designer.

Carine Roitfeld trägt ausschließlich High Heels, liebt Bleistiftröcke und hasst Handtaschen. Bei Modewochen wird sie oft häufige

Carine Roitfeld trägt ausschließlich High Heels, liebt Bleistiftröcke und hasst Handtaschen. Bei Modewochen wird sie oft häufiger fotografiert als Models oder Filmstars.

Was auffält: Sie wirkt distanzierter als ihre Mutter. Carine Roitfeld führt, abgesehen von einer Schwäche für homöopathische Beruhigungspillen und Killer-Stilettos, ein bodenständiges Leben. Sie fährt einen Mini, ist seit 30 Jahren mit Christian Restoin liiert, einem ehemaligen Textilunternehmer. Als sie 2001 die französische "Vogue"-Chefin wurde, verkaufte er seine Firma. Er wollte ganz für sie da sein, ganz der warmherzige, aufmerksame Partner einer höchst erfolgreichen Frau.

Sohn Vladimir scheint diese Charaktereigenschaften geerbt zu haben. Mit "Hallo, ich bin Vlad, geht's gut?" begrüßt er seinen Gast, den Gala-Redakteur. Die Stimme ist sanft und freundlich. Kurz vor dem Treffen in Mailand hatte er noch eine SMS geschickt und mit "V" unterzeichnet. Er ist schmal, seine Haare wirken ungestylt, was Absicht ist. "Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man auch als kreativer Mensch hart arbeiten muss", sagt er. Anders als seine Schwester zieht es ihn nicht in die Modewelt: "Ich liebe Fashion, aber ich möchte, dass mich die Menschen nicht nur wegen meines Namens respektieren. Mit dieser Last auf den Schultern will ich nicht durchs Leben gehen."

Vladimir Restoin-Roitfeld, 27, konnte sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen in der Kunstszene machen. Sein neues Projekt "Richa

Vladimir Restoin-Roitfeld, 27, konnte sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen in der Kunstszene machen. Sein neues Projekt "Richard Hambleton ¿ New York" wird von Giorgio Armani unterstützt.

Vlad macht in Kunst, seit zwei Jahren organisiert der Wahl-New-Yorker große Events. "Unsere Veranstaltungen sind eher Partys als klassische Vernissagen", sagt er - und gesteht ein, dass es ganz ohne Fashion doch nicht geht. So stellte er die Werke von Streetart-Künstler Richard Hambleton während der Mailänder Modewoche zusammen mit vor. Sein nächstes Projekt werde ebenfalls "von einem großen Luxuskonzern" unterstützt. Roitfeld: "Ich bin froh, dass ich die Kontakte habe. Für einen Newcomer ist es schwer, in der Kunstszene Fuß zu fassen."

Carine Roitfeld und ihr Lebenspartner Christian besuchen die Kinder in New York, so oft es geht. Julia und Vlad tauschen sich regelmäßig aus. "Wir haben viele gemeinsame Freunde", sagt Vladimir. Obwohl er betont, dass ihn der Roitfeld-Hype nicht interessiere, merkt man doch: Er fühlt sich geschmeichelt. "Ach, eigentlich bin ich ja nie auf Facebook, und diese ganzen Sites über uns lese ich wirklich nicht", sagt er - und schiebt leicht verlegen hinterher: "Ich habe aber nichts dagegen, wenn man mich dort einen coolen Typen nennt. Es gibt Schlimmeres, oder?"

Star-News der Woche