McCartney-Clan

All you need is Family

Papa Paul dichtete einst "Yesterday", sie alle leben today, aber von dem kreativen und fleißigen McCartney-Clan werden wir alle auch noch tomorrow hören und sehen...

Alexander McQueen

Neulich ist Paul McCartney 70 geworden.

Bestes Großvateralter. Früher saßen die mit 70 im Sessel auf der Veranda, rauchten Pfeife und erzählten den Enkelkindern Geschichten. Oder sie reparierten das Gartentor. Solche Sachen.

Früher. Paul McCartney hat auch Enkelkinder, aber er ist kein Großvater von früher. Er ist auch nicht alt. Er ist ein Best Ager, und das sind die Menschen, die sich nicht am Lebensabend fühlen, sondern, sagen wir, in der Mittagspause des Lebens. Nach einer teuren Scheidungsschlacht mit einer Frau, deren Namen er nicht mehr hören will, hat Macca, so sein Spitzname, 2011 zum dritten Mal geheiratet. heißt die neue Frau in seinem Leben, sie ist 52 Jahre jung, New Yorker Transport-Unternehmerin und hochattraktiv. Fragt man Pauls Tochter , ob Paul ein guter Opa für ihre vier Kinder sei, sagt sie, "er ist ein sehr beschäftigter Großvater. Er hat Termine, Konzerte, ist in und dann wieder sonstwo. Das klingt eher nach meinem Kalender."

Der Duft L.I.L.Y. ist Stella McCartneys zweites Parfüm.

Der Duft L.I.L.Y. ist Stella McCartneys zweites Parfüm.

Und den konnte man sich im Sommer des Jahres vorstellen wie einen Zugfahrplan zur besten Reisezeit: In London präsentierte Stella McCartney ihr zweites Parfüm L.I.L.Y, und in ihren Studios wurde Tag und Nacht bis zur letzten Minute an der offiziellen Bekleidung der britischen Olympia- und Paralympics-Mannschaft gearbeitet. Mit der 41-Jährigen wurde erstmals eine führende Fashion-Designerin beauftragt, Sportler anzuziehen. Die McCartneys, man könnte sie auch "Band on the Run" nennen, nach einem alten Song der Wings, der Band von Paul und seiner ersten Frau . "Und der Erste sagt zum Zweiten, ich hoffe, du wirst Spaß haben", heißt es in dem Lied, ein Satz, der bei den McCartneys wie ein Familienmotto erscheint. Denn neben Paul und Stella ist auch Mary McCartney, Stellas ältere Schwester, schwer zu fassen. Die Londoner Fotografin stellte 2011 erstmals ihre Bilder in der "National Portrait Gallery" aus, was so etwas wie die Hall of Fame der Fotografie ist. Wer in der britischen Metropole berühmt ist und einer diskreten Fotografin vertrauen will, der ruft Mary McCartney an. Die 43-Jährige fotografierte die Hochzeit von und machte die ersten Bilder von Tony und Cherie Blair mit ihrem Sohn Leo.

Eine schrecklich nette Familie: Linda und Paul McCartney mit ihren Töchtern Heather, Stella und Mary.

Eine schrecklich nette Familie: Linda und Paul McCartney mit ihren Töchtern Heather, Stella und Mary.

Es gibt unzählige Berühmtheiten- Kinder, und viele von ihnen kamen mit dem Ruhm ihres Namens nicht klar. Sie, wie der Sohn von Michael Douglas oder einst Donald Sutherlands Sohn Kiefer, straucheln, stolpern in die Drogenwelt und ins Gefängnis. Man mag darüber spekulieren, ob die Väter und Mütter überlebensgroß waren, die Schatten, aus denen sie herauskommen wollten, zu riesig, oder ob die berühmten Väter und Mütter schlicht etwas falsch gemacht haben. Paul und seine damalige Frau Linda haben anscheinend mehr richtig als falsch gemacht. Und selbst wenn nicht jeder "Macca"-Spross mit 16 Stores weltweit den Markt der Luxus-Mode beliefert wie Stella oder Fotos macht, die zu Englands Gedächtnis gehören werden, wie Mary, hat es auch James McCartney geschafft, ein respektierter Musiker zu werden.

, 35, hat es natürlich am schwersten, denn niemand käme auf die Idee, Stellas oder Marys Bilder mit der Musik von Papa Beatle zu vergleichen, greift aber einer zur Gitarre und singt, geht's gar nicht anders als verglichen zu werden. Und wenn man James' Songs hört, ist der Vater nicht zu leugnen, der im Studio auch mitgeholfen hat. Dann gibt es noch Heather McCartney, die Tochter, die Linda aus erster Ehe mitbrachte und die von Paul adoptiert wurde. Heute lebt sie zurückgezogen als anerkannte Geschirr-Designerin in England. Eine Sonnenscheinfamilie, der alles zufällt, was sie sich nur wünscht? Nein, es ist anders. Es hat etwas mit Liebe, Schicksal, Tragödie und Arbeit zu tun. Mit viel und harter Arbeit. So wie 1957, als auf auf den jungen traf, der zwar beherzt, aber sagenhaft dilettantisch auf einer Holzbühne schrammelte, und dem Paul und sein Freund George Harrison erklären mussten, dass eine Gitarre mit sechs und nicht bloß mit vier Saiten zu spielen sei. Der Fantast und der Realist McCartney, sie rauften sich zusammen und schrieben die vielleicht größte Musikgeschichte des vergangenen Jahrhunderts. Aber, und das wusste Macca immer, geschenkt war da nichts.

Hochzeit

Sir Paul sagt Ja

Paul McCartney heiratet Nancy Shevell in der "Old Marylebone Town Hall" in London.
Das Brautpaar strahlt bis über beide Ohren.
Ringo Starr und seine Frau Baraba Bach freuen sich für das Hochzeitspaar.
Auch Journalistin Barbara Walters ist eingeladen.

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James McCartney sieht nicht nur seinem Vater Paul sehr ähnlich, musikalisch ist der Einfluß des Vaters auch zu hören.

James McCartney sieht nicht nur seinem Vater Paul sehr ähnlich, musikalisch ist der Einfluß des Vaters auch zu hören.

Fashion-Event

In Stellas Garten

Anne Hathaway ist einer der Stars, die ihren Nachmittag im Garten von Stelly McCartney verbringen, sommerlich elegant gekleidet
Und ein Foto mit ihrer guten Freundin Stella McCartney muss natürlich auch sein.
Jim Carrey und die Gastgeberin Stella McCartney posieren gemeinsam.
Solange Knowles hat ihren Sohn Julez dabei.

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"My Baby", nennt Paul noch heute seine Tochter Stella und kann dann erstaunlich fachmännisch über die "Linie" ihrer Kollektionen sprechen, er kennt die Farben und die Stoffe und vergisst nicht zu sagen, dass Stella auch ein Jahr an der Savile Row, der Schneiderstraße Londons, Erfahrung gesammelt hat.

Nancy Shevell und Paul McCartney, unterstützen Stella bei der Paris-Fashion Week. Sie präsentiert die Frühjahr/Sommer-Kollektion

Nancy Shevell und Paul McCartney, unterstützen Stella bei der Paris-Fashion Week. Sie präsentiert die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2013.

Nicht nur da, sie bestand auch die harte Ausbildung an der berühmten St. Martins School und lernte als Designerin mit dem Namen McCartney zu leben, was "nicht immer einfach war", wie sie sagt. Andere mit solchen Pfundsnamen machen es sich leichter, kennen da und hier einen, werkeln ein wenig an Schmuck oder sonst etwas herum und glänzen dann nur mit dem Namen. Stella McCartney war nie so, dazu nahm und nimmt sie das Leben und ihr Schaffen, wie der Vater, viel zu ernst. Die Leichtigkeit seines Songschreibens täuscht, hört man genau hin, sind selbst die leichtfüßigsten Lieder filigrane Kompositionen. Genau wie man bei Stella nicht einfach von Kleidern sprechen kann, jeder Entwurf ist Ergebnis eines, sagen wir, Weltbilds der Frau, das Stella zu schaffen versucht. Hinzu kommt ein Anliegen, das sie alle haben und das aus ihrer Geschichte kommt.

Sie essen kein Fleisch, sie schonen die Tiere und in Stellas Kollektionen wird kein Leder und kein Pelz verarbeitet. Sie könnte viel teurer sein, viel mehr verdienen, sagt sie, aber "Tiere zu schützen war der Inhalt meiner Kindheit, meiner Familie". Auch Paul meidet Fleisch, selbst bei seinen Konzerten sind Grillstände mit Würstchen oder Burgern verboten. Man könnte das für ein wenig verbohrt halten, aber die McCartneys machen keinen Feldzug daraus, sie leben es einfach. Es hat etwas mit Dankbarkeit für ihr früheres Familienleben auf der Farm in Sussex und vor allem mit Dankbarkeit gegenüber der Frau und Mutter zu tun, die diesen Sinn in ihr Leben einführte: Linda McCartney, geborene Eastman, war eine bekannte Fotografin, als sie Paul kennenlernte und 1969 heiratete.

Es war genau die Zeit, als sich die Beatles trennten, und es war Linda, die Paul vor der Leere bewahrte und ihn weiterzog. In ein neues Leben. Sie gründeten die Band The Wings und sie bekamen drei Kinder. L.I.L.Y., das neue Parfüm von Stella, ist die Abkürzung eines Satzes, den Stella immer zu Hause hörte: "Linda, I love you". In einem vor drei Jahren erschienenen Fotobuch mit Lindas Bildern versteht man, warum die McCartneys so sind, wie sie sind. Es sind Bilder eines echten Lebens und nicht eines millionenschweren Popstars. Es sind Bilder davon, wie Vater und Mutter ihren Kindern wunderschöne Normalität liefern, Bilder von Stella, Mary und James, die im Heu toben und mit Tieren spielen. Bilder einer Kindheit, wie sie wohl kein anderes Star-Kind hatte. Als Linda 1998 an Brustkrebs starb, war sie in England eine angesehene Vegetarierin, die fleischlose Ernährung in ihren Büchern bewarb, "weil wir nie wieder etwas essen wollten, was ein Gesicht hat". Und so hinterließ sie eine Familie, die das Wichtigste aus diesen Jahren weitertransportieren wollte. Und es tat. Einmal erzählte Stella McCartney, wie schwer es am Anfang ihrer Karriere war, sich vom berühmten Vater zu distanzieren. Aber mit der Zeit habe sich das geändert, ja, sogar umgedreht. Der Tag wird kommen, an dem die Menschen Paul ansprechen werden: "Ach, Sie sind also der Vater von Stella McCartney?"

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