Marc Jacobs

"Ich kann nicht allein sein"

Modegenie Marc Jacobs im exklusiven Gala-Gespräch über Süchte, Marotten und Tattoos

Marc Jacobs

Was Besuchern auffällt

, die zum ersten Mal das Büro von in betreten? Die Preise. Haufenweise Preise. Links und rechts vom Empfangstresen stehen Glasvitrinen mit den wichtigsten Awards der Modebranche - viele davon in mehrfacher Ausführung. Dazwischen hängt eine gerahmte Karikatur. Sie zeigt einen Teufel, der lachend an einem Schreibtisch sitzt. Vor ihm eine Reihe Frauen, die ihm ihre Seelen verkaufen. "Vielen Dank. Hier sind die Erste-Reihe-Tickets für die Marc-Jacobs-Show", ruft Luzifer.

Etwas kokett wirkt die Präsentation, doch die Modewelt, das Zuhause von Marc , ist nun mal ein Jahrmarkt der Eitelkeiten. Und wenn man vom Teufel spricht - plötzlich öffnet sich die Schiebetür zum Konferenzraum, und der Meister persönlich erscheint. "Sie wollen sicher zu mir? Herein, herein", sagt er und grinst. Jacobs trägt Boots, Hemd, Rock, ist bester Laune und stellt erst mal selbst ein paar Fragen. Was das für Stempel auf der Hand seien. Aha, Konzerte. Welche Bands man gesehen habe? Was für Musik man möge? Währenddessen zündet sich der Kettenraucher seine erste Kippe an.

Der Frühjahr-2011- Look von Marc Jacobs für Louis Vuitton.

Der Frühjahr-2011-Look von Marc Jacobs für Louis Vuitton.

Wann rauchen Sie die erste Zigarette am Tag? Gleich morgens im Bett?

Nein, nicht im Bett! Aber ich gebe zu, sofort nach dem Aufstehen. Noch vor meinem ersten Kaffee. Und dann die nächste zum Kaffee. Und so geht’s weiter. ist meine schlimmste Angewohnheit, besonders vor Schauen. Da qualme ich zwei Packungen am Tag. Ich habe oft versucht aufzuhören, aber es nie geschafft.

Dabei haben Sie sich in den letzten Jahren zum Gesundheits- und Sportfanatiker gewandelt. Sind die Muskeln ein Schutzpanzer für Sie?

Ich fühle mich mit ihnen sicherer. Ich war nie der selbstbewusste Gewinnertyp. Ich hatte früher lange Haare, mir war's egal, wie ich rumlief. Dann habe ich angefangen zu trainieren. Mein Körper hat sich verändert, und das hat meine Persönlichkeit verändert. Jetzt bin ich fast jeden Tag im Gym, achte auf mein Äußeres, pflege mich, esse nur Biokost.

Welche Übung mögen Sie gar nicht?

Bein-Übungen. Die sind langweilig. Aber ansonsten gibt mir das Training einen Kick. Es macht mich besser in meiner Arbeit.

Was Jacobs macht, das macht er exzessiv. Seine eigene Linie überrascht immer wieder mit verrückt-genialen Ideen, als Creative Director hat er das Traditionslabel Louis Vuitton zur Trendmarke aufpoliert. Vor den Schauen feilt er rund um die Uhr an seinen Entwürfen. Die dann jedes Mal für Furore sorgen. "Ich arbeite besser unter Stress. Das macht mich kreativ", sagt er. Früher hielt er das nur mit Drogen durch, landete ausgebrannt in der Entzugsklinik. Heute zerrt er sich höchstens mal beim Workout die Schultermuskulatur, wie er erzählt. "Die wilden Partyzeiten sind vorbei. Ich habe nach wie vor Spaß, aber ich feiere nicht mehr die Nächte durch." Privatleben? Das ist sein Beruf. Was Jacobs zu einem komplizierten Lebenspartner macht. Im April ging nach rund einem Jahr die Beziehung zu dem brasilianischen Talent-Manager in die Brüche. Allerdings wurden die beiden kürzlich wieder zusammen gesehen.

Gibt es eine zweite Chance für Sie und Lorenzo?

(lacht) Oh Gott, diese Frage werde ich nicht beantworten. Sagen wir es so - ich mag es nicht, allein zu sein. Ich bin nicht der Typ, der sich abends hinsetzt und in Ruhe ein Buch liest. Ich will mit anderen Menschen unterwegs sein und etwas erleben.

Wann waren Sie das letzte Mal im Urlaub?

Ich nehme mir schon meine kleinen Auszeiten, aber ich bin kein Urlaubsmensch. Ich fahre nicht an exotische Orte, ich wandere oder klettere nicht in den Bergen und entdecke keine fremde Länder. Ich bin ein arbeitender Stadtmensch.

Das Landleben käme für Sie nicht in Frage?

Nein, ich brauche Theater, Galerien, Restaurants und Clubs. Gut, mein Haus in Paris hat einen Garten. Da wächst Jasmin, der wunderbar duftet. Ich liebe es, wenn dieser Duft im Sommer durchs Haus zieht. Da hört es aber schon auf.

Würden Sie sich als glücklichen Menschen bezeichnen?

Heute? Genau in diesem Moment? Ja, ich bin glücklich. Aber das ist nicht immer so. Leider bin ich sehr wechselhaft in meinen Stimmungen. Ich kann fürchterlich traurig und melancholisch werden. Aber damit komme ich mittlerweile besser zurecht.

Sie haben eine Reihe verrückter Tattoos auf Ihrem Körper - Spongebob, sich selbst als Simpsons-Figur, die rote M&M-Werbefigur. Bereuen Sie einige von den Dingern mittlerweile?

Nein. Zu den Tattoos habe ich mich zwar immer spontan entschieden, aber die sagen doch alles über mich aus, finden Sie nicht? Ich mag’s verrückt und trashig. Ich werde mir jedenfalls noch einige stechen lassen.

Hauke Herffs

Liebling der Modebranche: Marc Jacobs wird bei der Pariser Fashion Week Fall/Winter 2011 von den Zuschauern bejubelt.

Liebling der Modebranche: Marc Jacobs wird bei der Pariser Fashion Week Fall/Winter 2011 von den Zuschauern bejubelt.

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