Lanvin

Sturm auf die Couture

Kaum ein Label verkörpert Pariser Eleganz so sehr wie Lanvin. Dass H&M den Chef-Designer Alber Elbaz jetzt für eine Kollektion gewinnen konnte, ist der Modecoup des Jahres

Alber Elbaz

Alber Elbaz

Am frühen Morgen des 23. November

wird in den Innenstädtender deutschen Metropolen der Ausnahmezustand herrschen. Vor allem die Mitglieder der modeverrückten "Generation Blog" werden die Filialen der schwedischen Modekette H&M belagern. Sie werden auf Facebook mitteilen, in welcher Reihe sie stehen und später twittern, welches der begehrten Outfits sie ergattern konnten. Einen Ausruf werden sie sicherlich alle posten: "Love it!"

Einige Highlights aus der Lanvin-Kollektion für H&M. Die schickn Teile sind ab dem 23. November erhältlich.

Einige Highlights aus der Lanvin-Kollektion für H&M. Die schicken Teile sind ab dem 23. November erhältlich.

Lanvin designt für H&M - einen solchen Hype gab es zuletzt bei der ersten Design-Kooperation der Schweden mit 2004. Zwar ist Lanvin der breiten Masse bisher kein Begriff gewesen. Aber gerade die Internet-Trendsetter lieben das Label, steigerten mit Blog-Beiträgen innerhalb weniger Wochen nach Bekanntgabe der Kooperation das weltweite Interesse. Sehr zur Freude von Chef-Designer : "Ich muss gestehen, dass ich Blogs liebe. Und ich sage das nicht, um mich einzuschleimen. Jeden Morgen stehe ich auf und lese Blogs. Sie haben etwas Unschuldiges und Ehrliches."

Sexy: Schlangenstilettos aus der aktuellen Saison. Verspielt: das neue Parfum "Marry me!"

Sexy: Schlangenstilettos aus der aktuellen Saison Lanvins. Verspielt: das neue Parfum "Marry me!"

Elbaz ist der Mann, durch dessen Auffassung von Modernität das Haus Lanvin wieder ganz nach oben gekommen ist. Seit er das Sagen hat, zählen die Shows von Lanvin zu den Highlights der Pariser Fashion Week. Seine Kollektionen, die besonders durch raffinierte Kleider und Bleistift-Röcke auffallen, bekommen Saison für Saison den größten Beifall. Atemberaubende Silhouetten, luxuriöse Materialien, eine unumstößliche Vision von Pariser Chic - Lanvin schreit nicht, es flüstert. Frauen, die sich in die Kleider von Kreativdirektor Alber Elbaz hüllen, wollen nicht durch Grelles auffallen. Sie legen keinen Wert auf Logos, sie schätzen perfekte Schneiderkunst. Die Kollektion für H&M mutet genauso elegant an wie das teure Original. Schmale Kleider sind opulent drapiert, versprühen Klasse und Sex zugleich. Endlich kann sich eine junge Klientel Lanvin leisten. "Ich mochte die Idee, dass H&M unseren Traum von Luxus auf die Straße bringen will. Also habe ich dieser Kooperation zugestimmt", sagt der Israeli Alber Elbaz, der bereits vor drei Jahren für die schwedische Jeans-Marke Acne eine Kollektion entworfen hat.

Seit 2001 arbeitet Alber Elbaz für Lanvin. Und er führt fort, was Jeanne Lanvin, die Gründerin des Labels, vor 121 Jahren angestoßen hat. Ihre Produkte standen stets für Luxus in seiner reinsten Form. Doch die Französin war auch Teil der Pariser Kunst-Avantgarde, kurzlebige Trends haben sie nicht so sehr interessiert wie intellektuelle Akzeptanz. Das sieht Elbaz ähnlich: "Mir ist es wichtiger, eine gewisse Relevanz zu haben, als cool zu sein. Was mir wirklich Angst macht, ist es, zu einer Art 'Miss America' zu werden. Denn im nächsten Jahr gibt es schließlich eine neue 'Miss America'."

Präsentation von Lanvins Herbst/Winter-Kollektion. Typisch ist die Mischung aus atemberaubenden Silhouetten und luxuriösen Mater

Präsentation von Lanvins Herbst/Winter-Kollektion. Typisch ist die Mischung aus atemberaubenden Silhouetten und luxuriösen Materialien.

Seine Entwürfe sind daher im besten Sinne klassisch und tragbar. Seine Mode muss auch in den Läden, darunter 19 eigene Boutiquen, erfolgreich sein. "Wir sind ein unabhängiges Haus", sagt er. "Lanvin gehört keinem Luxuskonzern an, dem wir in Krisenzeiten sagen können: 'Papa, gib uns Geld!'. Meine Arbeit muss die Löhne der Angestellten bezahlen. Daher schaue ich mir jeden Tag die Verkaufszahlen an. Jeden, jeden Morgen mache ich das."

Kompromisse muss er bei seiner Arbeit dennoch nicht eingehen, da er die Kundinnen schon beim Design im Kopf hat. "Kommerzialität ist kein böses Wort", sagt er. "Eine zeitgemäße Kollektion muss die Essenz aus Design und Tragbarkeit sein. Am Ende denke ich da eigentlich ganz pragmatisch. Warum sollte ich ein wunderschönes Kleid ohne Reißverschluss entwerfen, wenn es deshalb niemals getragen werden kann?" Das wäre wirklich schade.

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