Label-Hype: Alessandro Michele ist seit Januar Gucci-Kreativdirektor – früher arbeitete er in der Accessoires-Abteilung der Firma. Hier bejubelt Anna Wintour den hippen Hippie
© PR Alessandro Michele ist seit Januar Gucci-Kreativdirektor – früher arbeitete er in der Accessoires-Abteilung der Firma. Hier bejubelt Anna Wintour den hippen Hippie

Label-Hype Revolution bei Gucci

Ist das wirklich GUCCI?! Der neue Chefdesigner des Traditionshauses hat den Stil radikal verändert. Und plötzlich wird das Label wieder heiß gehandelt

Auch in der Welt des Designs gibt es Ereignisse, nach denen nichts mehr so ist wie vorher – vergleichbar mit der Mondlandung. Vielleicht gehört die Lancierung des ersten iPods dazu. Ganz sicher aber das, was am 25. Februar dieses Jahres kurz nach 15 Uhr in Mailand stattfand.

Alessandro Michele, neuer Kreativdirektor der italienischen Luxusmarke Gucci, zeigte an der Piazza Oberdan seine erste Damenkollektion (die jetzt erhältlich ist). Seitdem gilt in der Modebranche die Zeitrechnung "vor" und "nach" Michele. Für Branchenfremde könnte die Euphorie leicht überzogen wirken, aber seine Vision für Gucci ist tatsächlich einschneidend. Sie ist exakt das Gegenteil von dem, wofür die Marke bisher stand.

Der Jetset der Nouveau Riche, cooler Sex – das sind die alten Attribute, forciert von Stardesigner Tom Ford in den Neunzigern. Jetzt geht es um verträumte Sanftheit. Stoffe und Silhouetten fließen. Männer tragen Schluppen am Kragen und dazu weite Hosen. Luxus wird stärker über die Verarbeitung oder besondere Details definiert. Mit dem Gucci-Style von früher assoziierte man wilde Champagner-Feiern. Heute sind es vegane Hippie-Partys.

Label-Hype: Superfeminin statt supercool: Starke Farben und Muster für den Herbst dominieren die aktuelle Kollektion
© PRSuperfeminin statt supercool: Starke Farben und Muster für den Herbst dominieren die aktuelle Kollektion

"Ich wollte eine kleine Revolution im Unternehmen starten", erklärt Alessandro Michele. "Sexiness zum Beispiel ist ein altmodischer Begriff – mir geht es um Sinnlichkeit." Damit trifft der 42-Jährige das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Die Folge: In der Szene ist die Marke noch angesagter als Grüne Smoothies. Auch It-Läden, die Gucci bisher nicht führten, sind überzeugt vom Neustart. "Das wird ein großer Erfolg", sagt Emmanuel de Bayser vom Berliner Concept-Store "The Corner". "Alles ist easy tragbar, clever gestylt, einfach begehrenswert."

Plötzlich gilt Gucci wieder als Überflieger, setzt selbst Trends und ist anderen oft einen Schritt voraus. Hat eben Vorteile, wenn man nicht mehr ständig auf Killer-Heels durch das Leben balancieren muss.