Kaviar Gauche, Johanna Kühl
© WireImage.com Kaviar Gauche, Johanna Kühl

Kaviar Gauche + Fashion Week Berlin Eine Klasse für sich

Johanna Kühl gehört zusammen mit Alexandra Fischer-Roehler mittlerweile zu Deutschlands Top-Designerinnen. Vor ihrer Show auf der "Mercedes-Benz Fashion Week Berlin" sprach sie mit Gala.de über Lampenfieber und inspirierende Salatblätter

Es ist eine kleine weiße Tür

, die die Straßen Berlins vom hektischen Modezirkus am Bebelplatz trennt: Hinter ihr verbirgt sich der Backstage-Bereich, in dem vor den Schauen geschminkt, geprobt und manchmal auch getratscht wird. Rund eine Stunde vor Beginn ihrer Fashionshow haben sich auch die Designerinnen des deutschen Labels Kaviar Gauche hier eingefunden. Zwischen Kleiderständern und nervösen Models nahm sich Johanna Kühl Zeit für ein Interview.

Als Designerin sind Sie mittlerweile schon einige Jahre im Geschäft. Ist die Aufregung vor einer Show trotzdem noch groß?

Ja, das kann man dieses Mal wirklich so sagen. In der Vergangenheit war es mit dem Lampenfieber nicht ganz so schlimm, heute aber schon. Wahrscheinlich weil es noch nie so hektisch war, wie jetzt.

Berlin ist in den letzten Jahren zur Modehauptstadt Deutschlands geworden. Wie finden Sie das?

Ich bin froh, dass Berlin Düsseldorf da den Rang abgelaufen hat. Und es ist für uns natürlich praktisch, dass alles so direkt vor der Tür ist. Wir müssen ja quasi nur mit dem Taxi einmal schnell rüber fahren, wenn wir irgendwo hin wollen. Auch auf der Fashion Week in Berlin tut sich wirklich ständig was. Es ist toll, dass immer neue Marken dazukommen. Man sollte allerdings nicht den Anspruch haben, dass es eine internationale Veranstaltung ist.

Die neue Kollektion von Kaviar Gauche ließ die 70er Jahre wieder aufleben.
© WireImage.comDie neue Kollektion von Kaviar Gauche ließ die 70er Jahre wieder aufleben.

Was inspiriert Sie als Designerin?

Das können ganz alltägliche Dinge sein wie zum Beispiel Emotionen, Personen, die wir interessant finden oder auch Eigenschaften von Leuten, die einem Energie geben. Meistens sind es einfach Gegenstände, die in einen anderen Kontext gerückt werden. Das kann dann auch mal ein Salatblatt sein, das speziell drapiert wurde.

Gibt es Designer, die Sie inspirieren oder mit denen Sie gerne zusammenarbeiten würden?

Es gibt natürlich ganz viele tolle Designer, die eine unglaubliche Stärke haben, aber gar nicht unbedingt so bekannt sind. Die haben dann einen ganz anderen Anspruch an die Mode. Generell ist es jetzt aber nicht so, dass wir sagen: Der Designer und kein anderer.

In der Modebranche werden Blogger immer wichtiger. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung?

Anfangs war ich dem gegenüber sehr kritisch eingestellt. Mittlerweile finde ich es aber doch toll. Es trennt sich ja auch schnell die Spreu vom Weizen. Man merkt schnell, was relevant ist und was nicht. Ich finde es aber trotzdem schlimm, dass einige Leute einfach irgendwas schreiben dürfen, was einfach nicht wahr ist. Es wird eben nichts gefiltert und das finde ich wiederum sehr fatal an der Sache.

Welchen Tipp würden Sie Jungdesignern mit auf den Weg geben, um erfolgreich ins Modebusiness zu starten?

Wir hatten ja das Glück, dass wir genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und auch finanziell die Möglichkeit hatten, aus uns selbst herauswachsen zu können. Heutzutage ist das Ganze schon schwieriger, gerade wenn man international durchstarten möchte. Generell ist es aber einfach wichtig, dass man seine eigene Identität findet. Und bereit ist, in sein Projekt viel Energie reinzustecken.

Gibt es abseits Ihrer Show ein Highlight auf der Fashion Week?

Leider haben wir so wenig Zeit, dass wir kaum an anderen Veranstaltungen teilnehmen können. Es gibt aber generell viele Dinge, die ich toll finde. Das Angebot ist insgesamt sehr hochwertig geworden.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich glaub,e das muss man dann sehen. Natürlich will man wachsen und weiterhin die Freiheit haben, Dinge tun zu können, die man auch wirklich machen möchte. Alles Weitere wird sich schon ergeben.

Andrea Zernial

Johanna Kühl (links) und Alexandra Fischer-Roehler präsentiertem ihre neue Kollektion auf der Fashion Week Berlin.
© WireImage.comJohanna Kühl (links) und Alexandra Fischer-Roehler präsentierten ihre neue Kollektion auf der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin.