Guido Maria Kretschmer: Guido Maria Kretschmer in seinem Berliner Atelier.
© PR Guido Maria Kretschmer in seinem Berliner Atelier.

Guido Maria Kretschmer "Für die zweite Reihe bin ich nicht gemacht"

Mit "Gala" sprach Guido Maria Kretschmer über seine Qualitäten als Entertainer, Neider in der Branche – und Thea Gottschalk als Fashion-Vorbild

Es ist der bislang heißeste Tag des Jahres, und Guido Maria Kretschmer, 49, hat in die Hamburger Brise Studios eingeladen. Während die illustren Gäste sich eifrig Luft zufächeln, präsentiert der Modedesigner und TV-Star freudestrahlend seine erste Plus-Size-Kollektion für das Versandhaus Heine. Am frühen Abend trifft "Gala" ihn zum Interview. Kretschmer wirkt immer noch frisch, ist bestens gelaunt und blitzschnell in seinen Gedanken.

Sie entwerfen Couture-Kleider, sind TV- Star, und nun machen Sie auch noch eine Kurven-Kollektion. Wie kam es dazu?

In erster Linie hat mich gereizt, die Kollektion für den Katalogversand Heine zu entwerfen. Ich bin ja auf dem Land groß geworden, weit weg von den Möglichkeiten, alles sofort zu bekommen. Die Idee, dass man mit einem Katalog viele Menschen erreicht, hat mir schon immer sehr gefallen. Außerdem fand ich es spannend, Mode zu machen, die auch in Größe 42 toll aussieht, ohne dass es abwertend heißt, das sei Kleidung speziell für Übergewichtige.

Guido Maria Kretschmer: Stylish und sexy: Catwalk-Looks der ersten Große-Größen- Kollektion "Guido Maria Kretschmer by Heine". Auch Accessoires gehören dazu, vom Hut bis zum Stiletto
© PRStylish und sexy: Catwalk-Looks der ersten Große-Größen- Kollektion "Guido Maria Kretschmer by Heine". Auch Accessoires gehören dazu, vom Hut bis zum Stiletto

In der Modebranche haben Sie schon lange einen großen Namen – durch Ihre TV-Shows "Shopping Queen" und "Hotter Than My Daughter" wurden Sie einem breiten Publikum bekannt. Sehen Sie sich als Designer für die Massen?

Irgendwie schon. Mode hat sich ja total verändert, alles ist generalisierter. Für mich gab es ein entscheidendes Ereignis: als Christian Lacroix 2009 pleite ging. Das war ein grauer, dunkler Tag. Mir wurde klar, dass die High-Fashion-Zeit für mich einfach vorbei ist. Ich wollte meine Mode demokratisieren, sodass jede Frau sie bekommen kann. Als dann das "Shopping Queen"-Angebot kam, war das wie eine Erlösung. Da ging es um Frauen, die ich im täglichen Leben sehe. Meine Mutter, meine Schwester, meine Freundin, meine Angestellten. Ganz normale Mädels aus allen Schichten. Jeder Frauentyp ist dabei. Das ist für mich Zeitgeist.

Was genau reizt Sie daran, Mode zu entwerfen?

Ich war immer schon an Menschen interessiert und finde es deshalb spannend zu hören, wie meine Kundinnen meine Mode erleben. Bei meiner Arbeit kommt mir meine Energie zugute. Karl Lagerfeld sagte mal zu mir, ich hätte so eine besondere Kraft, die sollte ich nutzen.

Ein schönes Kompliment! Gibt es auch Neider?

Ja, natürlich. Die begegnen mir ständig. Manche machen sich darüber lustig, dass ich so viel im Fernsehen zu sehen bin. Manche lästern sogar, dass man mich bald nicht mehr ertragen könne. Da frage ich mich natürlich, woher solche Überlegungen kommen, wo ich doch so viel für die Mode tue und sie vielen Frauen näherbringe. Aber ich habe mich schon immer in die erste Reihe gesetzt, ich kann den Fahrtwind ertragen. Für die zweite Reihe bin ich nicht gemacht.

Viele Ihrer Fans lieben Sie geradezu ...

(lacht) Ich werde tatsächlich mit Briefen und Geschenken überhäuft. Und wenn ich durch die Stadt gehe, sagen die Leute oft: "Da ist er, unser Guido!" Keiner spricht mich mit meinem Nachnamen an. Ich genieße diese Nähe zu meinen Kundinnen und Fans. Je erfolgreicher ich geworden bin, desto mehr habe ich gemerkt, woher ich komme. Ich schwöre: Mein Privatleben hat sich mit dem Erfolg nicht verändert. Ich lebe nicht extrovertierter und habe auch keine Entourage.

Guido Maria Kretschmer: 1. Figurbetont: schwarzer Bolero, ca. 60 Euro; 2. Schön sündig ... Rote Lederpumps, ca. 120 Euro; 3. Ein All-over-Blickfang: schwarz-weißer Kurzmantel, ca. 170 Euro; 4. Top! Roter Filzhut, ca. 60 Euro; 5. Richtig lässig ist die Lederhandtasche in Creme, ca. 200 Euro
© PR1. Figurbetont: schwarzer Bolero, ca. 60 Euro; 2. Schön sündig ... Rote Lederpumps, ca. 120 Euro; 3. Ein All-over-Blickfang: schwarz-weißer Kurzmantel, ca. 170 Euro; 4. Top! Roter Filzhut, ca. 60 Euro; 5. Richtig lässig ist die Lederhandtasche in Creme, ca. 200 Euro

Die Berliner Fashion Week wurde vor ein paar Jahren hochgejubelt, aber inzwischen haben sich einige große Labels wieder zurückgezogen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich halte die Fahne nach wie vor hoch, denn Berlin ist eine tolle Stadt, die im Ausland viel mehr geliebt wird als in Deutschland. Bei uns wird Berlin immer mit Paris und New York verglichen, dabei hat diese Stadt doch ihren ganz eigenen Style. Warum große Labels abwandern? Das hat damit zutun, dass Berlin keine Order-Messe ist. Es finden glamouröse Modenschauen statt, es wird sich amüsiert, aber geordert wird nach wie vor in Düsseldorf und München. Dabei nützt es doch nichts zu gehen. Es müsste woanders angesetzt werden. Zum Beispiel sollten talentierte junge Designer ihre Mode in eigenen Stores zeigen können.

Wer sind Ihre modischen Vorbilder?

Ich bin absolutes Valentino- und Bill-Blass-Kind. Yves Saint Laurent habe ich verehrt, den durfte ich Gott sei dank noch kennenlernen, in Marrakesch. Und ich liebe Alexander

McQueen. Es war ein schwerer Tag für mich, als er gestorben ist. Außerdem inspirieren mich ganz normale Mädels auf der Straße. Auch Thea Gottschalk bewundere ich in ihrer Konsequenz. Die hat so einen eigenen, speziellen Look. Das muss man erst mal hinkriegen.