Giorgio Armani im Interview zu den Oscars
© Wire Images Giorgio Armani im Interview zu den Oscars

Giorgio Armani + Oscars "Wahrer Glamour stirbt nie"

Seitdem Giorgio Armani 1980 Richard Gere für "American Gigolo" einkleidete, pflegt der Desig­ner enge, oft freundschaftliche Kontakte nach Hollywood. Mit GALA sprach der 74-Jährige über Glanz, Clooney und Sophia

Mal ehrlich: Hat Hollywood heutzutage noch Glamour?

Hollywood repräsentiert unsere Träume und Fantasien. Früher waren Filmstars Götter, über die wir privat nur wenig wussten. Durch die Medien ist vieles von dieser Mystik verloren gegangen. Ich mag meine Stars noch immer am liebsten auf dem roten Teppich.

Wie sieht man dort am besten aus?

Elegant auf eine zeitlose und stilsichere Weise. Wer sich für eine verrückte Robe eines Designers entscheidet, läuft Gefahr, das zu überstrahlen, worum es geht: das Talent der Schauspieler. Zeitlose Eleganz ist und bleibt wahrer Glamour - nicht nur in Hollywood.

Finalmente überprüft der Stardesigner Giorgio Armani jedes Detail der Oscar-Robe noch einmal selbst
© PRFinalmente überprüft der Stardesigner Giorgio Armani jedes Detail der Oscar-Robe noch einmal selbst

Welche Rolle spielen Filme und die Oscar-Zeremonie für Sie?

Filme zeigen die Arbeit eines Designers im besten Licht. Die Outfits für Richard Gere und Lauren Hutton im Hollywood-Film "American Gigolo" (1980) hatten Signalwirkung und ebneten damit den Weg für meinen dekonstruktivistischen Look in Amerika. Seitdem ist meine Arbeit fest mit Hollywood vor und hinter der Leinwand verwoben. Die "Oscar"-Verleihung ist die perfekte Bühne dafür.

Gibt es heute noch Diven wie beispielsweise Ihre Freundin Sophia Loren?

Gott sei Dank wird es immer solche Stars geben, die mit ihrer Ausstrahlung die Temperatur eines Raums erhöhen. Ja, jede Generation hat ihre eigene Sophia. Aber für mich persönlich wird es immer nur eine Sophia geben …

Welcher aktuelle Film inspiriert Sie?

Schon als Kind habe ich Filme so geliebt, dass ich oft aus meinem Heitmatort Piacenza nach Mailand pilgerte, um ins Kino zu gehen. Die Neorealisten oder Hitchcock mit meinem Lieblingsfilm "Notorious" haben mich fasziniert. Heute fehlt mir manchmal die Atmosphäre in Filmen. Obwohl ich die Arbeiten meines Freundes Martin Scorsese bewundere, finde ich Kunst, Architektur und Reisen heute genauso inspirierend.

Wer ist Ihr Favorit für die kommenden "Oscars"?

Um die besten Filme des Jahres zu produzieren, dazu gehört so unermesslich viel Arbeit und eine wahre Kollaboration der Künste. Ich könnte niemals nur einen auswählen. Ich war schon zweimal bei den "Academy Awards" und habe mit allen meinen persönlichen Freunden mitgefiebert!

Extravagant: "Die Oscar-Robe ist das Ergebnis einer zweijährigen Zusammenarbeit mit Ziyi Zhang."
© PRExtravagant: "Die Oscar-Robe ist das Ergebnis einer zweijährigen Zusammenarbeit mit Ziyi Zhang."

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Film und Mode?

Beide leben von Träumen und Fantasien - wie man aussehen könnte oder von einer fiktiven Welt auf der Leinwand. Der Unterschied besteht darin, dass die Mode uns zu einem fantastischen Look verhelfen kann, unser Leben hingegen niemals so sein wird wie im Film.

Wem würden Sie gern einen Stil-Preis verleihen?

Mein Freund Martin Scorsese wäre ein Kandidat, er hat einen superben Stil. Oder George Clooney, der mich immer an Hollywoods Glamour der alten Schule erinnert – genauso wie Cate Blanchett.

Warum kommen lange Abendkleider niemals aus der Mode?

Weil sie genauso klassisch und perfekt geeignet sind für große Ereignisse wie ein Abendanzug für Herren. Jede Frau sieht darin wie ein Filmstar aus.

Und wie können wir selbst so glamourös aussehen wie bei den Oscars?

Meine Mutter lehrte mich, dass man wahre Schönheit dann erlangt, wenn man sich auf das Notwendige reduziert und auf alles andere verzichtet. Diese Lehre habe ich mein Leben lang beherzigt.

Giorgio Armani beim Entwerfen der Robe für die Feier
© PRGiorgio Armani beim Entwerfen der Robe für die Feier