Luxus für Alle
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Gala Style Luxus für Alle

Passend zur Renaissance modischer Eleganz positioniert sich die Branche neu und propagiert Prestige-Garderobe für jedermann

Wenn Nicole Kidman oder Charlotte Gainsbourg in Paris shoppen gehen, führt ihr erster Weg nicht unbedingt zu Chanel. Mit gleicher Verve steuern sie zum Beispiel die Boutique von Vanessa Bruno am linken Seine-Ufer an. Die junge Designerin steht für puristischen Perfektionismus, clever geschnittene Kreationen mit eigenwilligen Details – durchaus passend für Auftritte in der Weltöffentlichkeit. Die Preise für ihre Prêt-à-porter-Linie liegen dennoch weit unter denen der großen Designhäuser. Womit Frau Bruno den Beweis antritt, dass großartige Qualität und innovatives Design auch für Normalsterbliche bezahlbar sind.

Irina Lazareanu und Lindsay Lohan bei der "Chanel Cruise Show" präsentiert von Karl Lagerfeld
© GettyIrina Lazareanu und Lindsay Lohan bei der "Chanel Cruise Show" präsentiert von Karl Lagerfeld

"Luxus ist nicht das Gegenteil von Armut, sondern von Vulgarität", befand schon in den 1920er-Jahren Coco Chanel. Schlicht, sportlich, bequem, hochwertig und originell: So wollte die Modeschöpferin sich und die Damenelite kleiden. Ihre zeitlose Eleganz hat, nach einer Phase billiger Sexyness mit Hüfthosen und einfallsloser Revival-Raserei, wieder Hochkonjunktur. Die Designer setzen auf kreative Klassik, ihre Winterkollektionen kultivieren lässige Noblesse und edle Materialien in raffinierter Formvollendung. Für einen größeren Kundenkreis aber bleiben die stilbildenden Kollektionen internationaler Modehäuser wie Chanel oder Balenciaga weiterhin unerreichbar.

Obwohl deren Preise teilweise durch teure Produktionsbedingungen gerechtfertigt sind, zahlt man in den meisten Fällen einen satten Aufpreis für das Prestige der Marke. Diese Form von Status-Luxus ist so alt wie die Mode selbst, und bis die neureichen Märkte in Asien und Russland gesättigt sind, wird die Branche weiterhin zweistellige Zuwachsraten vermelden können.

In Europa und den USA jedoch ist Luxus heute ein komplexes Unterfangen. Der allgemeine Wertewandel hat die Einkaufstüten erreicht. "Was ist Luxus?", fragte das Marktforschungsinstitut Ipsos Ende 2005. Selbstbestimmte Zeit und Selbstverwirklichung standen ganz oben auf der Antworten-Hitliste der Deutschen. Luxus definiert sich zusehends weniger über den Preis und zunehmend über nicht materielle Faktoren. Menschen suchen Erlebnisse und Emotionen, erstklassige Dienstleistungen sollen die Lebensqualität steigern.So lauten auch die Schlussfolgerungen des "21st Centurion Living"-Reports von American Express. 100 führende Experten und Trendsetter, darunter Kreative wie Giorgio Armani und Alexander McQueen oder der Designhotel-Magnat Ian Schrager, wurden zur Zukunft des Luxus befragt. Als Schlüsselfaktoren hat die Runde die Begriffe Erleben, Wissen, Werte und Gewissen ausgemacht. Elitäre Konsumenten von morgen haben ein Bedürfnis nach Qualität und Nachhaltigkeit und empfinden Luxus als die Fähigkeit, sich mit zeitlosen, herausragenden Produkten zu umgeben, so die Studie. Diesen Richtungswechsel bezeichnet der Report als "neuen Luxus".

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