Fashion Week Paris

Eleganz 2.0

Haute Couture und visionäre Ideen: Die Fashion Week Paris gilt nach London, Mailand & Co. als der Höhepunkt der Modewochen. Doch auch die Pariser Modehäuser sind mittlerweile auf dem Boden der Realität angekommen

Fashion Week Paris

Fashion Week Paris

Endspurt. Nach New York, London und Mailand bildet Paris den traditionellen Höhepunkt der internationalen Modewochen. Höhepunkt? Ja natürlich, antworten dann stets die meisten Moderedakteurinnen. Mailand sei doch so wahnsinnig tragbar (ein Schimpfwort unter Stylistinnen) geworden. Dagegen Paris! Die Wiege der Haute Coutre! Die Stoffe! Die visionären Ideen! Mon dieu. Ein Traum.

Dires van Noten präsentiert während der Pariser Fashion Week Looks, die schlicht und schön zugleich sind.

Dries van Noten präsentiert während der Pariser Fashion Week Looks, die schlicht und schön zugleich sind.

Fashion Week Paris

Prêt-à-porter in Paris

Fashion Week Paris: Wunderkind Frühjahr/Sommer 2011
Fashion Week Paris: Wunderkind Frühjahr/Sommer 2011
Fashion Week Paris: Bill Kaulitz zählt zu den Gästen der Show.
Fashion Week Paris: Karolina Kurkova für Elie Saab Frühjahr/Sommer 2011

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So kann man sich irren. Denn auch die Pariser Modehäuser sind auf dem Boden der Realität angekommen und zeigten an den ersten Tagen weitestgehend Tragbares. Nouveau Langeweile? Mais non. Denn gerade in, sagen wir, reellen Zeiten teilt sich die Spreu vom Weizen dadurch, dass man Visionäres mit Normalem verknüpft. Mit anderen Worten: Crazy sein können alle. Es ist die Gabe von großen Designern wie Dries van Noten oder Nicolas Gesquiere, dem Kreativdirektor von Balenciaga, Looks zu präsentieren, die schlicht und schön zugleich sind und Frauen kleiden - nicht verkleiden.

"Dies sind ganz simple Kleider. Outfits zum tragen und kein extravagantes Statement", beschreibt beispielsweise der Belgier van Noten seine lässigen Mantelkleider in schillerndem Grau oder weiße XL-Blusen, die zu einem akkurat geschnittenen Pencil-Skirt kombiniert wurden. Eleganz 2.0.

Mit der neuen Wirklichkeit hat sich auch Balenciaga auseinandergesetzt. Kreativdirektor Gesquiere, dessen Präsentationen immer zu den Highlights in Paris gezählt werden, castete in Städten wie Amsterdam oder London einen Teil seiner Models. Sie trugen mit einer "boyish attitude" die Biker-Westen vor, die zu weiten Hosen und überlangen ärmellosen Shirts getragen werden. Der Street-Style von Mode-Blogs ist offenbar endgültig in den feinen Couture-Häusern angekommen. Die neue Tragbarkeit – sie zieht sich eben durch alle Kollektionen in Paris.

Rochas begeistert mit Blumenkleidchen aus Chiffon.

Rochas begeistert mit Blumenkleidchen aus Chiffon.

Nina Ricci setzt auf Feen-Kleider zum Trench, Rochas entdeckt die, bereits in Mailand erkennbare, neue Landlust mit Blumenkleidchen aus Chiffon. Wie unmodern wirken da doch die Looks von Balmain. Noch vor einem Jahr setzte die Marke einen wegweisenden Trend mit extrem überschnittenen Schulterpolstern, der dazu führte, dass man die Sitzreihen bei Modenschauen fast hätte verbreitern müssen, da all die Kolleginnen mehr Platz für ihre Schulterpolster brauchten. Balmain-Army-Jacken für 2000 Euro oder zerrissene Jeans zum Schnäppchen-Preis von mehr als 1500 Euro gingen weg wie ein Croque Monsieur.

Und heute? Balmain hat den Zeitgeist verpasst und wirkt zwischen all den schönen Kollektionen mit seinen Nieten-Lederjacken, Hotpants und zerrissenen Strumpfhosen so out wie Goofy-Socken zum Anzug. Wie gesagt. Crazy kann eben jeder. Besser wird es dadurch nicht. Die Pariser Modewoche geht noch bis kommenden Mittwoch.

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