Kurt Cobain
© Getty Images Kurt Cobain

Fashion Verstehen Sie Grunge?

Karohemden, Dr. Martens und abgewetzte Röhren: Kurt Cobains Schmuddel-Look kehrt aus dem Nirwana zurück und ist der neue Fashionhype bei Designern, Models und Rockchicks

Mode? Nevermind!

Anfang der Neunzigerjahre machten Bands wie Nirvana und Pearl Jam den Seattle-Sound, einen Mix aus Punkrock und Heavy Metal, innerhalb kürzester Zeit so populär, dass Teenager weltweit bald nicht nur "Grunge" (dt. "Schmuddel") hörten, sondern auch den Fashionstyle kopierten.

Ein Look so schmuddelig wie die Musik: Flanellhemden, grobe Strickpullis, zerrissene Jeans, klobige Stiefel, zerschlissene Lederjacken - dazu lange Haare ohne Schnitt und Shampoo. Nirvana-Frontman Kurt Cobain wurde mit seiner unangepassten Rockerattitüde zur Ikone. Seine Frau Courtney Love, Sängerin der Band Hole, war das perfekte Role Model für die sexy, dunkle Seite dieses abgerissenen Lebenstils. Bereits 1992 brachte Hollywood die neue Jugendkultur mit dem Film "Singles - gemeinsam einsam" ins Kino: Cameron Crowe inszenierte mit Bridget Fonda und Matt Dillon das Porträt der Generation Grunge.

Model-Off-Duty- Look: Alexander Wang H/W 2008
© Getty ImagesModel-Off-Duty- Look: Alexander Wang H/W 2008

Guru of Grunge

Heute greifen Designer wie Alexander Wang, Proenza Schouler oder IsabelMarant zwar wieder Stilelemente dieser Unmode in ihren Kollektionen auf, aber sparsam. Denn sich "schmuddelig" anzuziehen kriegen die Teenager auch alleine hin - das musste schon Marc Jacobs vor rund 20 Jahren lernen. Es war ein legendärer Mode-Moment, als er 1992 seine Grunge-Kollektion aus seidenen Karo-Looks und Springerstiefeln zeigte. Doch die Kids trugen bereits das Original und im Modemainstream kam der Trend nie an. So wurde Marc Jacobs zum "Guru of Grunge" gekürt, ohne jemals in Seattle gewesen zu sein, und seine Kollektion gehört zu den Meilensteinen der Modegeschichte, ohne dass sie je kommerziell erfolgreich war.

Model of Duty

Authentisch und bloß nicht durchgestylt. Es ist wohl bezeichnend, dass gerade die Geschöpfe, die den größten Modeluxus in die Welt tragen, nun für das Grunge-Revival stehen. Der US-Designer Alexander Wang und seine Muse Erin Wasson präsentierten 2008 in New York folgenden Mix auf dem Laufsteg: Oversize-Jackets, Röhren, zerrissene Jeans, derben Strick und jede Menge Essentials - schlicht und perfekt, wie die Models selbst, die diesen Look auch privat tragen. So prägte Wang den M.O.D.-Stil (Model Off Duty, dt. Model außer Dienst), der von lässigen Rock-Akzenten bis zur Alice-Dellal-Dauerlaufmasche alles erlaubt. Hauptsache, er wird mit einer entspannt coolen Haltung und an einem Körper getragen, den rein gar nichts verunstalten kann.

M.O.D. für Anfänger

Und hier liegt der Grunge-Rock begraben: Nicht die Klamotten machen den Look, sondern der Mensch, der drinsteckt. Das galt für Kurt Cobain und Courtney Love und das gilt für die neue M.O.D.-Army. Denn eigentlich werden hier Basics wie Arbeiterkluft und Secondhandstücke so kombiniert, dass etwas Eigenes, Neues entsteht. Wer also leider nur in der Amateurmodel-Liga spielt, tastet sich lieber langsam ran und trägt beispielsweise eine zerrissene Röhre mit coolen schwarzen Plateau-Boots, einem losen schwarzen Shirt plus Oversize-Strickjacke. Um nicht wie aus dem Altkleidermarkt auszusehen, sollte man den Schmuddel-Look dringend mit sexy Accessoires wie Statement-Colliers, Clutches oder High Heels brechen.

Smells like teen...

Im neuen Jahrtausend gibt es unter den Celebritys zwei Fraktionen, die das Comeback des Grunge-Looks feiern. Während Drew Barrymore ihren Bob nostalgisch im Dip-Dye-Look trägt, bescheren Youngster wie Mary-Kate Olsen, Peaches Geldof und Kristen Stewart dem schmuddeligen Teenspirit der Neunziger einen zweiten Frühling. Wer also zum ersten Mal dreckig rockt wie Taylor Momsen, hat alle Narrenfreiheit. Die anderen sollten sich mit Einzelstücken aus dem Repertoire begnügen, denn Grunge kann man nicht tragen, man muss ihn leben.