Fashion: Kimono Couture: Audrey Tautou
© WireImage.com Kimono Couture: Audrey Tautou

Fashion Verstehen Sie Geisha?

Die japanische Traditionskleidung geht diese Saison auf Tuchfühlung mit europäischen Designer-Looks und beweist: Kimono-Kunst - kombiniert mit coolen Basics - funktioniert auch jenseits des Red Carpet

Trendsetterin

"Träume sind verboten, Nostalgie ist verboten, zu lieblich sein ist nicht gut. Die Kleider sind der Ausdruck dieses unmöglichen Traums", kommentierte Miuccia Prada ihre neue Kollektion. Die Sehnsucht nach der Unschuld vergangener Zeiten und die Vergeblichkeit dieser Sehnsucht - das sind die Themen, die die Designerin dazu bewegten, ihre Kollektion dem Geisha-Look zu widmen. Obwohl sie sich von der traditionellen Kimono-Faltkunst inspirieren ließ, zeigt Prada eine ultramoderne Vision von ebenso cooler wie poetischer Weiblichkeit, die alles andere als nostalgisch wirkt. Pradas Sixties-Geishas ziehen uns an, weil sie unsere Sehnsucht wecken nach einer Mode, die stark macht und trotzdem feminin ist.

Exportschlager

Fashion: Geta-Plateau von Prada; Tasche von Gabs
© PRGeta-Plateau von Prada; Tasche von Gabs

Geishas waren einst selbst Trendsetterinnen. Im 17. Jahrhundert übten die ersten Frauen den Beruf des kunstvollen Alleinunterhalters am Kaiserhof aus, der vorher ein reines Männer-Business war. Im 18. und 19. Jahrhundert, der Blütezeit der Geishas, prägten sie den modischen Stil ihrer Zeit und inspirierten auch westliche Künstler. Gauguin und später Klimt, als malerische Vorboten, weckten die Sehnsucht nach den exotischen Gewändern, die von Pariser Modemachern wie Paul Poiret und Marie Callot in westliche Couture verwandelt wurden. Und während die japanische Upperclass in den wilden Zwanzigern Pariser Haute Couture trug, wurde der Kimono zum Exportschlager. Stars wie Louise Brooks und Marlene Dietrich kleideten sich darin vor und hinter der Kamera. Von den Hollywood-Diven als seidiger Morgenrock über sexy Negligés adaptiert, eroberte der Kimono die Schlafzimmer und wurde schließlich von den Hippies wieder auf der Straße getragen.

Kimono-Couture

Mit den Hippies und Rockstars erlebte der Kimono in den 70er-Jahren sein großes Comeback. Sogar männliche Stars wie "Queens" Freddie Mercury trugen ihn als Bühnenoutfit, und in den 80er-Jahren zog mit Hanae Mori die bislang erste und einzige japanische Designerin in die heiligen Hallen der Pariser Haute Couture ein. Popstars wie Björk (1997), Madonna (1999) und Kylie Minogue (2008) haben das Sinnbild der stolzen Geisha immer wieder in Szene gesetzt. Den letzten großen Boom unter Designern und Stars verdanken wir dem Schriftsteller Arthur Golden, dessen Weltbestseller "Die Geisha" 2005 in die Kinos kam und die roten Teppiche mit Kimono-Couture flutete.

Urbane Geishas

Nicht nur Prada hat sich für den Sommer 2013 vom japanischen Kimono inspirieren lassen. Auf zahlreichen Runways wurden Jacken und Mäntel mit kastig geschnittenen Ärmeln mit breiten Gürteln in der Taille geschlossen. Bei Etro, Gareth Pugh und Haider Ackermann wurden dazu Hosen von superschmal bis weit schwingend kombiniert. Pucci und Aquilano Rimondi schneiderten den Kimono zum Minidress um. Auch in Sachen Make-up und Haartrends ist die traditionelle Geisha Stilvorbild: Akkurate Haarknoten, superhelle Foundation mit kirschrotem Kussmund und perfektem Lidstrich spiegeln die strenge Sinnlichkeit der Geisha-Etikette wider.

Japanisch lernen

Fashion: Elle Fanning im Prada-Look
© Getty ImagesElle Fanning im Prada-Look

Eine Kimonojacke mit schlichter schwarzer Zigarettenhose ist der Grundkurs, der je nach Accessoires mit Business-Attitude oder Galaflair ausgestattet werden kann. Auch zum Pencilskirt lässt sich eine Kimonojacke einfach und edel kombinieren. Wer lieber erst mal einen Schnupperkurs machen will, der wählt Blusen oder Kleider mit Kimonoärmeln. Die hohe Kunst des Geisha-Stils à la Prada-Komplett-Look mit Getas, den traditionellen Holzschuhen mit Plateau, sollten jedoch nur die wahren Unterhaltungskünstlerinnen der Mode vortragen. Denn wer nicht auch die Anmut und Haltung einer Geisha verkörpert, der ist, wie Elle Fanning beweist, leider schnell auf dem modischen Holzweg. Nicht umsonst dauert die Ausbildung zur Geisha fünf Jahre.

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