Fashion Story Der neue Über-Luxus

Geiz ist geil? Von wegen: Nie war Mode teurer. Designer wie Tom Ford und Alexander McQueen erfinden die Oberklasse neu - als Reaktion auf Billigketten

Es ist ja nicht so, dass sich echte Fashion-Victims über Preise aufregten. Eine Winzigkeit an Abendtasche für 600 Euro? Das ist doch normal. Zarte 900-Euro-Schuhe, bestehend aus zwei Riemchen und einer Sohle? Die hat dann eben auch nicht jede. So gesehen dürfen zwei Herrensocken von Tom Fords neuem Label eigentlich als Schnäppchen gelten. Sie kosten gerade mal 55 Euro.

Man kann solche Summen - oder diejenigen, die sie bezahlen - für überdreht halten. Dennoch stehen sie für einen neuen Trend. Als "Über-Luxus" formiert sich eine Gegenbewegung zu "Geiz ist geil". Und nicht nur Marketing-Genie Tom Ford kann sicher sein, damit Erfolg zu haben. Handtaschen aus Krokoleder im Wert eines Mittelklassewagens, Schmuck so teuer wie eine Villa - nie war Mode so exklusiv und begehrt. Zwar gab es schon immer genügend Kunden, die sich allerfeinste Produkte gönnten, aber bisher galten solche Artikel als eher klassisch. Eine Alligator-Kelly-Bag von Hermès war eben etwas fürs Leben. Doch mittlerweile übertrifft die Haltbarkeit von manchen 20000-Euro-Produkten in modischer Hinsicht kaum die eines Schokoladenpuddings. Knallrote oder sogar pinkfarbene Kroko-Accessoires sind möglicherweise heute chic - und morgen out.

Die Preise sind dennoch in den meisten Fällen gerechtfertigt. Gerade Luxusartikel sind von Hand hergestellt, die Verarbeitung etwa von Leder oder Pelz braucht Tage. Selbst in der Mode hält die verschwenderische Verarbeitung Einzug. Um sich von günstigen Marken abzusetzen, zeigen Designer wie John Galliano oder Alexander McQueen längst traumhaft aufwendige Kreationen, die früher nur bei der Haute Couture zu bewundern waren. Dolce & Gabbana ließen etwa ein Kleid komplett mit Strasssteinen und Spitze besticken. Eine Meisterleistung an Schneiderkunst, die eben kostet. Tom Ford jedenfalls hat selbst bei überteuerten Socken kein moralisches Problem. Er entwerfe, sagt er, einfach nur die Dinge, die ihm selbst gefallen. Teure Unterwäsche muss man von ihm zumindest nicht erwarten. Der attraktive Designer trägt nämlich niemals welche. Auch eine Möglichkeit, am Mode-Budget zu sparen ...