David LaChapelle "Wer Realität will, soll den Bus nehmen!"

Surreal, grell, bunt und doch mit Tiefgang - anspruchsvoller Kitsch, so sehen viele David LaChapelles Bilder. Von der Mode- und Starfotografie distanziert sich der Künstler aber zunehmends

David LaChapelle kennt sie alle - und alle kennen ihn. Als Künstler fotografierte er die großen Stars unserer Zeit, bis er selbst einer wurde. Von den Prominenten und großen Modehäusern hofiert und engagiert, hat der ewig 39-jährige seinen Hauptwohnsitz von New York und Los Angeles nach Hawaii gelegt. Zugegeben, ein Ort des eremitischen Exils sieht anders aus, dennoch möchte der "Meister glamouröser Übertreibungen" seit gut zwei Jahren keine Stars und keine Mode mehr fotografieren. Videodrehs für Christina Aguileras und Madonna lehnte er ab, das letzte Promibild, für seine Jesus-Reihe, entstand mit Courtney Love ebenfalls in jenem Jahr.

Schon in frühester Jugend fotografierte der Junge aus Connecticut mit großer Leidenschaft - zuerst seine Mutter im heimischen Wohnzimmer, dann seine nächste Umgebung. Doch die Anfänge des modernen Fotografen David LaChapelle finden sich New York des Jahres 1978. David zog nach New York und fand alsbald eine Aushilfsstelle im legendären Studio 54, dem damaligen Tempel der Pop-Kultur und zentrale Schnittstelle der Stars dieser Zeit. Es waren Künstler wie Andy Warhol und Keith Haring, die ihm aufzeigten, was moderne Kunst sein kann. Auch die frühe Prägung durch die Celebrities und solche, die es gerne sein wollten, stammt aus dieser Ära.

Doch David versackte nicht im Sumpf, sondern kehrte NY zunächst den Rücken, um seine High School abzuschließen. Drei Jahre später aber kehrte er zurück, eine Mappe mit Nacktaufnahmen seiner Schulfreunde im Gepäck, die er dem Paten der modernen Pop-Kultur, Andy Warhol, präsentierte und auf Wohgefallen stieß. Aus heutiger Sicht lässt sich einfach sagen, dass so eines zum anderen kam. Jobs für Warhols Zeitschrift "Interview" brachten Folgeaufträge, auch die ersten Prominenten ließen sich von ihm ablichten, mehr und mehr Aufmerksamkeit wurde ihm zuteil. Und auch sein Werk änderte sich.

"Andy Warhol hätte sie geliebt!" David LaChapelle über seine langjährige Freundin Paris Hilton, die er als einer der ersten Fotografen in Szene setzte
© Getty Images"Andy Warhol hätte sie geliebt!" David LaChapelle über seine langjährige Freundin Paris Hilton, die er als einer der ersten Fotografen in Szene setzte

Aus den Schwarz-Weiß-Aufnahmen früherer Jahre wurden bunte Bilderwelten: David LaChapelle begann, seine Fotos zu inszenieren. Surreal, comichaft, verzehrt, clownesk, bunt und doch anspruchsvoll - all das wollte David LaChapelle vereinen. Und es waren die Stars, die immer öfter zu ihm kamen und sich inszenieren lassen wollten. Er wusste immer genau, was er auf welche Weise darstellen wollte. Wer sein Fotostudio betrat, wusste, dass er oder sie sich ganz in die Hände des Meisters begeben musste. Die Aufnahmen wurden im Laufe der Zeit immer aufwändiger, die Vorbereitungen mancher Fotoshoots konnten Wochen in Anspruch nehmen, die Motive selbst wechselten von einem Genre ins nächste. Entleihen aus der Kulturgeschichte, Malerei, Film, Literatur, aber auch anderer darstellender Künstler des 20. Jahrhundert fanden in LaChapelles Werk Einzug.

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