Crystal Renn
© Getty Images Crystal Renn

Crystal Renn "Ich war am Verhungern"

Für ihre Model-Karriere riskierte Crystal Renn ihr Leben. Heute trägt sie Übergrößen - und ist gefragter denn je

Mit 14 Jahren begann ihr Leidensweg.

Damals entdeckte ein New Yorker Model-Scout das bildhübsche Südstaaten- Girlie Crystal Renn in einem Ballettstudio in Mississippi. Sein Urteil: Wenn sie dünner wäre, hätte sie das Zeug zum Super-Model. Also hungerte der 1,75 Meter große Teenager in nur einem Jahr mehr als 30 Kilo ab - der Beginn ihrer Karriere und eines langen Kampfs gegen ihren Körper. Bis zu acht Stunden Sport mutete sich die heute 23-Jährige täglich zu, um ihr Gewicht zu halten, aß drei Jahre lang nur gedünstetes Gemüse und Kopfsalat und kaute zwischendurch zuckerfreie Kaugummis.

Bis ihr Körper irgendwann nicht mehr mitspielte und sie trotz Diät zunahm - zum Glück. Sie wechselte die Agentur und startete durch. Und ist mit ihren wohlgeformten Rundungen zum bekanntesten und bestverdienenden Plus-Size Model der Branche avanciert: Große Modemagazine wie "Vogue", "Elle" und "Harper's Bazaar" reißen sich um sie, Designer und Fotografen schwärmen von ihrer sinnlichen Ausstrahlung. Heute genießt sie ohne Reue - auch beim Interview in Hamburg gönnt sich Crystal Renn zwei Milchkaffees und dazu jeweils eine Zigarette.

Wie fühlen Sie sich heute im Vergleich zu Ihren mageren Zeiten?

Wunderbar. Ich wache morgens voller Energie und ohne Schmerzen auf. Wenn man eine Essstörung hat, kreisen die Gedanken den ganzen Tag nur um Kalorien - und wie man sie wieder loswerden kann. Ich habe sogar von Kalorien geträumt. Heute ist mein Kopf frei für andere Dinge. Und weil ich mich wohlfühle, bin ich viel besser in der Lage, mit der Kamera Kontakt aufzunehmen. Das ist schließlich mein Job.

Ihr Buch heißt "Hungry". Was machen Sie heute,wenn Sie hungrig sind?

Ich esse! Zurzeit am liebsten diese köstlichen, mit Speck und Käse überbackenen Panini, die es im Restaurant "Tarallucci e vino" in New York gibt. Dazu trinke ich gern Weißbier. Oh mein Gott, schmeckt das gut! Und ich liebe Desserts. Ich frühstücke ausgiebig, weil ich gemerkt habe, dass ich das für meinen Energiehaushalt brauche. Am liebsten Eier.

Nicht unbedingt das, was Models normalerweise essen.

Stimmt. Früher, als ich noch kein Übergrößenmodel war, konnte ichdavon nur träumen. Aus lauter Verzweiflung habe ich im Fernsehen den "Food Channel eingeschaltet und in Gedanken das gegessen, was dort gekocht wurde. Aber allein schon für solche Träume habe ich mich mit einer Extrastunde im Fitnessstudio bestraft.

Das hört sich nach einer schlimmen Zeit an.

Oh ja. Ich habe mich selbst ausgehungert. Ich war so besessen von meinem Gewicht, dass ich fast durchgedreht bin, wenn ich mir einen zuckerfreien Kaugummi extra gegönnt habe. Ich erinnere mich daran, dass ich am Boden zerstört war, wenn ich mehr als 800 Kalorien zu mir genommen hatte. Weil ich wusste, was ich wieder zu hören bekommen würde: "Das Mädchen ist zu fett!".

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