Crystal Renn

"Ich war am Verhungern"

Für ihre Model-Karriere riskierte Crystal Renn ihr Leben. Heute trägt sie Übergrößen - und ist gefragter denn je

Crystal Renn

Crystal Renn

Mit 14 Jahren begann ihr Leidensweg.

Damals entdeckte ein New Yorker Model-Scout das bildhübsche Südstaaten- Girlie in einem Ballettstudio in Mississippi. Sein Urteil: Wenn sie dünner wäre, hätte sie das Zeug zum Super-Model. Also hungerte der 1,75 Meter große Teenager in nur einem Jahr mehr als 30 Kilo ab - der Beginn ihrer Karriere und eines langen Kampfs gegen ihren Körper. Bis zu acht Stunden Sport mutete sich die heute 23-Jährige täglich zu, um ihr Gewicht zu halten, aß drei Jahre lang nur gedünstetes Gemüse und Kopfsalat und kaute zwischendurch zuckerfreie Kaugummis.

Stars mit Rundungen

Heiße Kurvenlage

Heidi Klum ist als Supermodel zwar gertenschlank, ihr Dekolleté zeigt sie aber in Kleidern wie diesem Goldstück von Julien Macdonald aber gern.
Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence beugt sich nicht dem übertriebenem Schlankheitswahn von Hollywood. Was auch unötig ist, denn sie begeistert nicht nur mit ihrer lebensfrohen Art, sondern auch einer beneidenswert schönen Figur.
"X Factor"-Jurorin Demi Lovato hatte lange auch unter Essstörungen zu leiden, Reha und Therapie halfen ihr dabei, ein gesunde Beziehung zu ihren Kurven zu entwickeln.
Nicole Scherzinger schätzt auch, was sie und zeigt sich gern körperbetont. Ein Abbild von Weiblichkeit sind dabei nicht nur ihre

29

Bis ihr Körper irgendwann nicht mehr mitspielte und sie trotz Diät zunahm - zum Glück. Sie wechselte die Agentur und startete durch. Und ist mit ihren wohlgeformten Rundungen zum bekanntesten und bestverdienenden Plus-Size Model der Branche avanciert: Große Modemagazine wie "Vogue", "Elle" und "Harper's Bazaar" reißen sich um sie, Designer und Fotografen schwärmen von ihrer sinnlichen Ausstrahlung. Heute genießt sie ohne Reue - auch beim Interview in Hamburg gönnt sich Crystal Renn zwei Milchkaffees und dazu jeweils eine Zigarette.

Wie fühlen Sie sich heute im Vergleich zu Ihren mageren Zeiten?

Wunderbar. Ich wache morgens voller Energie und ohne Schmerzen auf. Wenn man eine Essstörung hat, kreisen die Gedanken den ganzen Tag nur um Kalorien - und wie man sie wieder loswerden kann. Ich habe sogar von Kalorien geträumt. Heute ist mein Kopf frei für andere Dinge. Und weil ich mich wohlfühle, bin ich viel besser in der Lage, mit der Kamera Kontakt aufzunehmen. Das ist schließlich mein Job.

Ihr Buch heißt "Hungry". Was machen Sie heute,wenn Sie hungrig sind?

Ich esse! Zurzeit am liebsten diese köstlichen, mit Speck und Käse überbackenen Panini, die es im Restaurant "Tarallucci e vino" in New York gibt. Dazu trinke ich gern Weißbier. Oh mein Gott, schmeckt das gut! Und ich liebe Desserts. Ich frühstücke ausgiebig, weil ich gemerkt habe, dass ich das für meinen Energiehaushalt brauche. Am liebsten Eier.

Nicht unbedingt das, was Models normalerweise essen.

Stimmt. Früher, als ich noch kein Übergrößenmodel war, konnte ichdavon nur träumen. Aus lauter Verzweiflung habe ich im Fernsehen den "Food Channel eingeschaltet und in Gedanken das gegessen, was dort gekocht wurde. Aber allein schon für solche Träume habe ich mich mit einer Extrastunde im Fitnessstudio bestraft.

Das hört sich nach einer schlimmen Zeit an.

Oh ja. Ich habe mich selbst ausgehungert. Ich war so besessen von meinem Gewicht, dass ich fast durchgedreht bin, wenn ich mir einen zuckerfreien Kaugummi extra gegönnt habe. Ich erinnere mich daran, dass ich am Boden zerstört war, wenn ich mehr als 800 Kalorien zu mir genommen hatte. Weil ich wusste, was ich wieder zu hören bekommen würde: "Das Mädchen ist zu fett!".

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie trotz der strengen Diät irgendwann zugenommen haben.

Ich glaube, ich habe meinen Körper so lange bekämpft, dass er mir irgendwann signalisiert hat: Es reicht, ich kann nicht mehr. Ich bin am Verhungern. Und ich war tatsächlich am Verhungern! Mein Körper hat mich durch die Gewichtszunahme gerettet.

Geht es Ihnen heute gut?

Nicht ganz. Ich muss schon sehr genau aufpassen, was ich esse, weil mein Magen ziemlich empfindlich geworden ist. Das ist ein Überbleibsel aus diesen drei Jahren, in ich fast nichts zu mir genommen habe.

Was machen Sie heute, um in Form zu bleiben?

Eigentlich gar nichts. Im Fitnessstudio war ich zuletzt vor vier Monaten, auch weil ich immer gleich daran denken muss, wie ich mich früher dort geschunden habe. Aber ich mache sehr gern Yoga und laufe viel. Hey, ich wohne in New York City und gehe die meisten Strecken zu Fuß! Das ist doch auch nicht schlecht.

Viele Frauen sind davon überzeugt, dass sie schlank besser bei Männern ankommen. Was ist Ihre Erfahrung – bekommen Sie heute weniger Komplimente?

Im Gegenteil. Früher habe ich auf der Straße Kommentare wie "Sie sollten dringend einen Cheeseburger essen" zu hören gekriegt. Heute heißt es: "Wow, Sie sehen großartig aus!" Ich denke, es ist eine Sache der Ausstrahlung. Damals habe ich meinen Körper gehasst – und das kam rüber, auch bei den Shootings.

Wie sehen das die Fotografen, mit denen Sie zusammenarbeiten?

, den ich sehr verehre, hat nach unserem ersten Shooting gesagt: "Sie hat einen unglaublichen Körper." Das hat mich sehr gefreut.

Wie reagieren dünne Models auf Sie?

Ganz entspannt. Ich bin mit vielen befreundet. Manchmal werde ich allerdings gefragt, ob ich tatsächlich Model bin. Das ist okay, dann erzähle ich, wie ich zu meinem Job als Plus-Size-Model gekommen bin. Mittlerweile habe ich schon einige Mädchen getroffen, die mir gesagt haben, sie würden dank meines Beispiels ebenfalls in dieser Sparte arbeiten und sich nicht weiter mit Abnehmen quälen. Solche Begegnungen bedeuten mir sehr viel.

Sie waren schon häufiger in der "Vogue", eine Auszeichnung für jedes Model. Was kommt als Nächstes?

Ich plane eine eigene Kleiderlinie für etwas fülligere Frauen. Mein größtes Ziel ist jedoch, es auch auf ein "Vogue"-Cover zu schaffen: Wenn ein Model mit Kleidergröße 42 auf der Titelseite landen würde, wäre es die beste Botschaft überhaupt.

Martina Ochs

Mehr zum Thema

Star-News der Woche