Christian Audigier
© WireImage.com Christian Audigier

Christian Audigier Grell! Bunt! Top!

Mit Tattoo-Dessins und sehr viel Selbstbewusstsein schaffte es Christian Audigier in den Mode-Olymp. Gala sprach mit ihm über seine Fans und Kritiker

Ein Industriegebiet in Los Angeles

, Sitz der Firma von Christian Audigier. Mittlerweile erstreckt sich sein Betrieb über drei riesige Hallen. Im Empfangsbereich überall Fotos: A-Lister, Arm in Arm mit Audigier - der 51-jährige Franzose lebt den American Dream. Ohne Vater in einer Arbeitersiedlung in Avignon aufgewachsen, jobbte er schon mit 14 Jahren als Jeansverkäufer.

1999 kam er nach L. A., fand Kontakt zu Labels wie Diesel und Von Dutch, arbeitete dort als Designer und stieg schnell in Führungspositionen auf. 2004 hatte er die Idee seines Lebens: Er kaufte dem kalifornischen Tätowierer Ed Hardy die Rechte an dessen Schriftzügen und Motiven ab und bannte sie auf T-Shirts und Kappen. Schnell wurden prominente Musiker, Models und Schauspieler auf seinen kreischbunten Style aufmerksam. Dass manche Audigier als ersten Repräsentanten des Proll-Looks schmähen, stört seine Fans nicht. Inzwischen ist Christian Audigier, verheiratet mit einem brasilianischen Model und Vater von vier Kindern, Multimillionär. Und seit Kurzem auch Buchautor.

Christian Audigier ist mit dem brasilianischen Model Ira verheiratet.
© WireImage.comChristian Audigier ist mit dem brasilianischen Model Ira verheiratet.

Ihre Autobiografie heißt "Von ganz unten zum King Of Fashion". Hört sich nach einem beschwerlichen Weg an.
Absolut. Ich habe Fehler gemacht und sogar eine Weile im Gefängnis verbringen müssen. (Wegen Marihuanabesitzes saß Audigier im Jahr 2000 drei Monate auf Bali in Haft; Anm. d. Red.) Es ist wahrlich nicht so, dass ich immer auf Rosen gebettet war. Ich musste schon früh kämpfen.

Haben Sie es gerade deshalb so weit gebracht?
Vermutlich ja. Nach der Zeit im Gefängnis wollte ich mein Leben dann unbedingt ändern.

Was waren die bisher traurigsten, was die bisher besten Momente in Ihrem Leben?
Der Gefängnisaufenthalt war sicher die dunkelste Phase. Der beste Augenblick? Davon gibt es vier: immer, wenn eines meiner Kinder geboren wurde. Mein Erfolg ist natürlich auch ein einziger glorreicher Moment. Aber die Familie steht über allem. Das hängt wohl damit zusammen, dass mein Vater uns verlassen hat, als ich zwei Jahre alt war. Ohne Vater in Avignon in einer Arbeitergegend aufzuwachsen war nicht leicht. Ich musste sehr schnell erwachsen werden, habe mich schon mit 14 Jahren als Straßenhändler versucht. Ich habe früh gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie lieber sterben würden als zu scheitern …
Nun ja, ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch. Aber die wirtschaftliche Lage hat sich schon auch in meiner Branche deutlich verschlechtert. Wir verlieren Kunden und müssen neue Wege finden, um Geld zu verdienen.

Über Heidi Klum sagt Christian Audigier: "Eine wunderbare Person und sehr smart, wenn es ums Business geht."
© Getty ImagesÜber Heidi Klum sagt Christian Audigier: "Eine wunderbare Person und sehr smart, wenn es ums Business geht."

Wie viel ist Ihr Unternehmen heute wert?
Rund 600 Millionen Dollar. Diese hohe Summe empfinde ich manchmal als erschreckend. Ich war ja nie wirklich ein Geschäftsmann, sondern immer in erster Linie Designer.

Wie sieht Ihr Tagesablauf heute aus?
Ich stehe um vier Uhr auf, gehe ins Fitnessstudio und fange danach an zu arbeiten. Mein Unternehmen beschäftigt mich fast 24 Stunden am Tag.

Sie kennen viele Stars. Wie kommt es zu solchen Kontakten?
Britney Spears habe ich einfach mal in einen meiner Läden eingeladen. Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Madonna kam zu mir, weil sie meine Klamotten mochte. Und mit Heidi Klum habe ich für "Germany's next Topmodel" zusammen- gearbeitet. Sie hat mir sehr geholfen.

Sie waren auch mit Michael Jackson eng befreundet.
Ja, und ich vermisse ihn enorm. Michael war eigentlich ein ganz zugänglicher Mensch, sehr lustig, sehr ehrlich. Mich hat er "King of Fashion" genannt. Das war eine große Ehre.

Manchmal müssen Sie sich den Vorwurf anhören, sie machten zu viel Show, zu viel Selbstdarstellung …
Wenn dein Name bekannter wird, kommt automatisch mehr Kritik. Aber ich lache mir ins Fäustchen: Die Leute kaufen meine Sachen. Wen kümmert da Kritik?

Es stört Sie als Designer nicht, wenn Ihre Kreationen als Mainstream betrachtet werden?
Am Anfang bist du immer supertrendy, dann fordern alle, dass die Marke billiger wird, damit sich mehr Leute deine Sachen leisten können. Also wirst du billiger und bist plötzlich nicht mehr so hip wie am Anfang. So funktioniert das Geschäft eben.

Wenn Ihr Erfolg auf einen Schlag vorbei wäre …
… dann wäre das keine Katastrophe für mich. Ich würde sagen: Die Reise war fantastisch, lasst uns noch mal aufbrechen!

Frank Siering