Carine Roitfeld
© WireImage.com Carine Roitfeld

Carine Roitfeld "Chic ist eine Haltung"

Carine Roitfeld liebt Eleganz und Sexiness - Konventionen hasst sie. Gala traf die Stylistin exklusiv zum Tee in Berlin

Natürlich muss man eine Geschichte über Carine Roitfeld

mit der Beschreibung ihres Outfits beginnen. An diesem Mittwochabend im Berliner "Hotel de Rome" trägt sie High Heels, einen Bleistiftrock mit Stiefmütterchen-Print und einen schwarzen Kaschmirpullover. Der Grund ihres Abstechers in die deutsche Hauptstadt ist eine Buchpräsentation: Die ehemalige Chefredakteurin der französischen "Vogue", die vor gut einem Jahr ihren Job hinschmiss und seitdem als freie Stylistin arbeitet, stellt im Concept-Store "The Corner" den Bildband "Irreverent" vor, ein opulentes Werk mit ihren besten Modeproduktionen und vielen Privatfotos.

"Hallo! Schön, dass wir uns wiedersehen", begrüßt die bestangezogene Frau der Welt ihren Besuch. Dass sie bald Großmutter wird - ihre Tochter Julia ist im dritten Monat schwanger - mag man kaum glauben. Carine Roitfeld sieht nicht aus wie Ende fünfzig. Und sie wirkt unschlagbar freundlich, charmant, sympathisch. Sie bestellt einen grünen Tee, sorgt sich, ob das Kindergeschrei im Hintergrund bei der Aufnahme des Gesprächs stören könnte, fragt ihr Gegenüber nach seinem Befinden. Erst dann geht es um sie.

Carine Roitfeld weiß einfach wie sie gleichzeitig elegant und unkonventionell aussehen kann. Gekonnt setzt die Französin dazu ausgefallene High Heels als Eyecatcher ein - und ihr charmantes Lächeln.
© Getty ImagesCarine Roitfeld weiß einfach wie sie gleichzeitig elegant und unkonventionell aussehen kann. Gekonnt setzt die Französin dazu ausgefallene High Heels als Eyecatcher ein - und ihr charmantes Lächeln.

Carine, gleich besuchen wir die Präsentation Ihres Bildbands. Ich habe selten zuvor so viele Menschen erlebt, die sich bereits seit Tagen überlegen, was sie zu diesem Anlass anziehen sollen. Wie wichtig ist Ihnen die Kleidung der Menschen in Ihrem Umfeld?

Ziemlich unwichtig. Das habe ich in den 30 Jahren, die ich in der Branche arbeite, gelernt: Beurteile jemanden nie danach, was er trägt. Mode ist wie ein Briefumschlag - das Wichtigste ist das, was darin ist. Ich denke sowieso, dass man Chic nicht lernen kann. Chic ist eine Haltung. Sie kommt aus einem selbst heraus. Entweder man hat sie. Oder eben nicht.

Übersetzt heißt Ihr Buch "Respektlos"...

Auf Französisch bedeutet es, nicht politisch korrekt zu sein, aber auf eine angenehme Art, sehr feminin. Das mag ich. Ich habe Respekt gegenüber meinen Lesern. Ich bin selbst Mutter und würde daher nie Dinge fotografieren, die Kinder nicht sehen sollten. Beispielsweise fotografiere ich mittlerweile keine rauchenden Models mehr. Außerdem habe ich nie mit Mager-Models zusammengearbeitet, weil ich weiß, dass dies ein großes Problem in der Branche ist. Und ich habe Models nie herablassend behandelt. Models sind für mich in erster Linie Frauen. Ich sehe sie eher als Schauspielerinnen. Aber natürlich bin ich provokativ. Und ich will Spaß haben. Aber es muss immer sehr chic sein. Es gibt da einen schmalen Grat.

Heute ist kaum noch jemand provokativ...

Die Zeiten haben sich geändert. Natürlich muss man weiter provozieren. Aber auf andere Weise. Ich würde heute nicht mehr Models mit Blut bespritzen oder sich fesseln lassen. Ich glaube, dass es nicht mehr darum geht, Brüste oder Pussys zu zeigen. Das kann jeder. Es geht darum, einen intellektuelleren Weg zu finden.

Auch Sie haben sich also verändert?

Alles andere wäre schlimm. Ich möchte kein Klischee werden. Dabei hat mir auch dieses Buch geholfen. Es ist ein Abschluss. Nun gehe ich andere Wege.

Gerade in der Modebranche halten allerdings viele an einem bewährten Erfolgskonzept fest.

Ja, leider. Manchmal sitzt man bei der Show eines Designers, der sich seit 30 Jahren nicht weiterentwickelt hat. Da denke ich oft: Oh, mein Gott. Er sollte wirklich mal darüber nachdenken, ob er sich nicht einfach nur noch selbst kopiert!

Tom Ford erzählte mal, dass er nach seinem Ausstieg bei Gucci in ein tiefes Loch gefallen ist. Ging Ihnen das auch so?

Ich hatte dafür keine Zeit. Ich hatte keinen "Vogue"-Blues.

Enfant terrible mit speziellem Chic: Carine Roitfeld im gemusterten Bleistiftrock
© Getty Images/ PREnfant terrible mit speziellem Chic: Carine Roitfeld im gemusterten Bleistiftrock

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Carine Roitfeld liebt Eleganz und Sexiness - Konventionen hasst sie. Gala traf die Stylistin exklusiv zum Tee in Berlin
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2011-11-24T15:48:37+0100
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