Calvin Klein

Niemals stehen bleiben!

Mit seinem tragbaren Purismus veränderte Calvin Klein die Modewelt für immer. Und auch die Nachfolger des New Yorker Designers haben den Anspruch, wegweisend zu sein

Calvin Klein

Der Einfluss von Modedesign

auf den Alltag wird oft überschätzt. Nur vereinzelt schaffen es Trends vom Laufsteg auf die Straße. In den wenigsten Fällen hat Entworfenes Bestand. Umso größer ist das Lebenswerk jenes amerikanischen Designers einzuschätzen, der mit simplen Ideen ein Imperium schuf und dessen Arbeit bis heute überall sichtbar ist: Calvin Klein.

Sexy Rapper: Mark Wahlberg warb in den Neunzigern für CK

Sexy Rapper: Mark Wahlberg warb in den Neunzigern für CK.

Dass mittlerweile auf den allermeisten Unterhosen der Name einer Marke eingestickt ist, dass Designer Jeans mit ihrem Logo branden oder sich eine breite Masse Düfte kauft, weil sie von einer Fashion-Marke stammen - all das haben wir ihm zu verdanken. Wie kaum ein Designer vor ihm verstand es der New Yorker bereits in den Achtzigerjahren, einen Personenkult zu schaffen und mit provokanter Werbung auf seine Produkte aufmerksam zu machen. Als die damals 15-jährige Brooke Shields Anfang der Siebziger hauchte, sie lasse nichts zwischen sich und ihre Calvins, schnellte der Umsatz nach oben.

In Zeiten der vollbusigen Super-Models buchte er ein abgemagertes, noch unbekanntes Mädchen namens Kate Moss. Während seine Kollegen Mode oft als Kunst verstanden wissen wollten, gab Calvin Klein zu: "Es ist mir egal, ob ich der Erste war, der einen schmalen Gürtel in der Kollektion hatte. Alles, was ich will, ist, die Dinge zu verkaufen, die ich entwerfe. Daran denke ich, wenn ich arbeite. An nichts anderes".

Er provozierte seine Kollegen mit Sätzen wie: "Prominente in die erste Reihe zu setzen, nur damit die Presse über einen schreibt, interessiert mich nicht. Stars für die Oscars auszustatten und all dieser Nonsens ist so veraltet". Calvin Klein interessierte sich für den Geschmack der "normalen" Leute.

Und er hatte damit Erfolg. Sein minimalistischer Stil veränderte das Straßenbild fast jeder Großstadt. Aus "More is more" wurde "Less is more". Mittlerweile sind Designer nicht mehr automatisch Stars. Nur Insider wissen (und interessieren sich dafür), wer die Kollektion einer Marke entwirft. Die Zeiten haben sich verändert - auch im Unternehmen Calvin Klein.

Die Herbst-Kollektion von Calvin Klein Collection, der Hauptlinie, präsentiert klare Schnitte und außergewöhnlich subtile Detail

Die Herbst-Kollektion von Calvin Klein Collection, der Hauptlinie, präsentiert klare Schnitte und außergewöhnlich subtile Details, etwa an Nähten und Säumen.

2002 verkaufte der heute 67-Jährige sein Imperium. Konsequent bauten die neuen Eigentümer die Firma um. Zwar setzt man bei der Underwear- und Jeans-Kampagne noch immer auf Provokation, allerdings etwas abgeschwächt. Das Image des Hauses wird heute über Calvin Klein Collection, die Hauptlinie, definiert.

Verlässt ein Gründer sein Unternehmens, ist die Gefahr groß, dass Aufgebautes zusammenbricht - Jil Sander lieferte für die Modeb

Verlässt ein Gründer sein Unternehmens, ist die Gefahr groß, dass Aufgebautes zusammenbricht - Jil Sander lieferte für die Modebranche ein trauriges Beispiel. Anders bei Calvin Klein: Die Nachfolger Italo Zucchelli und Francisco Costa (r.) sind gefeierte Stars.

Verantwortlich für den richtungweisenden Stil sind die Kreativdirektoren Francisco Costa (für die Damenlinie) und Italo Zucchelli (für die Herrenlinie). Beide waren bereits im Team des Gründers und haben dessen Spirit inhaliert. Daher setzen sie den puren Stil konsequent fort und begehen nicht den Fehler, zu sehr an der Vergangenheit zu kleben - mit Retro-Mode konnte der Firmengründer nichts anfangen. "Man muss sich ständig verändern und weiterentwickeln", sagte er einmal, ein Seitenhieb gegen seinen Rivalen Ralph Lauren.

"Mode muss immer neu sein. Ich habe überhaupt nichts gegen traditionelle Kleidung. Solange sie in England bleibt. Eben dort, wo sie eine Geschichte hat." Mit diesem Anspruch ist es seinen beiden Nachfolgern, vor allem Francisco Costa, gelungen, das Haus Calvin Klein in der oberen Liga der High-End-Fashion mitspielen zu lassen. Perfekte Schnittformen, hervorragende Materialien und ein bis ins letzte Detail durchdachtes Stil-Konzept machen Calvin Klein Collection in jeder Saison zu einem Highlight. In diesem Herbst setzt Francisco Costa auf einen cleanen, schlichten Look. "Die Kollektion ist sehr linear", beschrieb er nach der umjubelten Präsentation im Februar seine Idee. Dafür gab es einhelliges Lob von der Presse. Suzy Menkes, die Kritikerin der "International Herald Tribune", attestiert Costa einen "kristallklaren Verstand" und glaubt, dass der Designer damit Calvin Klein durch das 21. Jahrhundert führen wird.

Ähnlich wie der Firmengründer hebt Costa aber bei seiner Arbeit nicht ab. Untragbare Tortenkleider, ausschließlich für die Presse und den roten Teppich kreiert, wird es bei ihm nicht geben. "Ich sehe die Models auf dem Laufsteg und denke dabei doch an die Realität der Kunden".

Jeder bei Calvin Klein weiß, dass es nicht darum geht, das Rad neu zu erfinden. Die Designerjeans ist etabliert, der bedruckte Unterhosenbund auch. Also konzentriert man sich auf die Weiterentwicklung der Mode - denn bei Calvin Klein ging es nie um Vergangenes. Der Gründer kann stolz auf seine Nachfolger sein.

Marcus Luft

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