Anna Wintour
© Wireimage.com Anna Wintour

Anna Wintour Ihr Thron wackelt

Mode-Päpstin Anna Wintour wird öffentlich gedemütigt. Der Anfang vom Ende? Ihre größte Konkurrentin steht schon als Nachfolgerin bereit

Bellissimo, was sich da

am Ende der Mailänder Modewoche abspielte. Tutto Milano vergaß plötzlich die Kollektionen und tuschelte nur noch über den Krieg der beiden "Vogue"-Chefinnen Anna Wintour, 58, und Carine Roitfeld, 53. Seit 20 Jahren steht La Wintour an der Spitze der US-Ausgabe des Mode- und Style-Magazins, was sie zur einflussreichsten Frau der Fashionwelt macht. Ihre Ansage ist Gesetz - oder war es zumindest bislang. Denn ihre französische Konkurrentin holte im Interview mit dem "New York Magazine" jetzt zum Schlag aus: "Anna ist zur Ikone geworden und wirkt wie eine Marionette", ätzte sie. "So will ich nicht werden. Ich möchte keine Uniform tragen. Ich möchte keine leere Hülle sein!" Das saß. Anna Wintour, Vorbild für die knallharte Magazin-Chefin im Kino-Hit "Der Teufel trägt Prada", soll sich prompt bei Verleger Jonathan Newhouse Jr. beschwert haben. Dieser zitierte Roitfeld daraufhin zum Gespräch. Ob sie einen Rüffel bekommen hat?

Die Konkurrentin steht bereit: Carine Roitfeld
© GettyDie Konkurrentin steht bereit: Carine Roitfeld

Wohl eher nicht. Im Gegenteil: Nach GALA-Informationen wusste der Verleger von dem Interview. Der Artikel "The Anti-Anna" sollte Carine Roitfeld in den USA bekannter machen und als sympathische Trendsetterin präsentieren. "Dies ist ein abgekartetes Spiel", so ein Insider zu GALA. "Wintours Zeit bei 'Vogue' läuft ab, und es wird Roitfeld sein, die sie beerbt." Glaubt man den Gerüchten, wird sich die Französin, die im vorigen Jahr bereits mit einer Modestrecke im Stil von Anna Wintour provozierte, zwar entschuldigen. Dennoch deutet alles darauf hin, dass sie in absehbarer Zeit die US-"Vogue" übernehmen wird. "Newhouse und Roitfeld haben sicher mit Champagner auf ihren Triumph angestoßen", meinte eine britische Journalistin am Rande der Schauen.

In Mailand hat niemand Mitleid mit Wintour. Zu sehr spielte die Amerikanerin in den vergangenen Monaten ihre Macht aus: Etliche Designer sind genervt, weil sie ihnen diktierte, die ohnehin hektische Modewoche zu straffen, damit sie noch vor Beginn der Pariser Schauen zurück in die USA fliegen könne. "So wird die Modewoche zum sinnlosen Zirkus", so Dolce & Gabbana entrüstet. Und Roberto Cavalli bemerkte süffisant, dass er auf Wintour bei seiner Show gut und gern verzichten könne. Auch Giorgio Armani, der mit Wintour für Mai eine Ausstellung im Metropolitan Museum in New York organisiert, sagte in ihrem Beisein auf einer Pressekonferenz: "Anna soll einmal gesagt haben, die Armani-Ära sei vorbei. Ich hoffe, das ist sie nicht. Denn hier bin ich!" Carine Roitfeld saß bei der Veranstaltung in einer der hinteren Reihen und verfolgte das Geschehen ...

Vielleicht fühlt sich Anna Wintour dieser Tage an ihren eigenen Aufstieg erinnert: Ihre Vorgängerin Grace Mirabella erfuhr von ihrer Kündigung aus den Fernsehnachrichten. Als sie ihren Verleger auf die "Falschmeldung" ansprach, entgegnete dieser: "Grace, wenn sie es im Fernsehen gesagt haben, wird es stimmen!"