Dr. Stephan Ruppert, weltweit anerkannter Spezialist in Sachen Lichtschutz.
© PR Dr. Stephan Ruppert, weltweit anerkannter Spezialist in Sachen Lichtschutz.

Sonnenschutz Der Sonnen-Experte

Dr. Stephan Ruppert, 42, ist ein weltweit anerkannter Spezialist in Sachen Lichtschutz. Er leitet die Produktentwicklung für die Marken Nivea und Eucerin bei Beiersdorf in Hamburg. Aktuell liegt sein Schwerpunkt auf der Entwicklung immer leichterer Texturen bei hohem Schutz

Wie viel länger brauche ich zum Braunwerden, wenn ich Lichtschutzfaktor 50 statt 30 benutze?
Der Unterschied ist gar nicht so groß. Die Bräune hängt von den UV-B-Strahlen ab, die auf die Haut treffen. Bei Faktor 30 sind es 3,3 Prozent, bei 50 zwei Prozent. Je nach Hauttyp und -zustand kann die Haut theoretisch mit LSF 30 knapp zweimal mehr Bräune produzieren. Aber: Je schneller die Haut bräunt, desto schneller ist die Farbe auch wieder weg.

Benötige ich nach zwei Wochen Sonne immer noch einen hohen Lichtschutz?
Nach gewisser Zeit kann man mit dem Faktor etwas heruntergehen, aber sogar stark gebräunte Haut hat selbst nur einen Schutzfaktor von sechs.

Kann man überhaupt braun werden ohne langfristige Schäden?
Nein! Wer sich in die Sonne legt, geht immer ein Risiko ein. Denn die Bräune ist ja immer eine Reaktion der Haut auf Schäden. Risikolose Bräune gibt es nur mit Selbstbräuner.

Um wie viel ist die Haut gealtert, wenn sie regelmäßig in der Sonne war?
Genau berechnen kann man das nicht. Aber wenn man weiß, dass 80 Prozent der Alterung durch UV-Licht entstehen, ist es ganz logisch, dass gebräunte Haut deutlich älter ist. Zehn, fünfzehn Jahre sind es sicherlich. Aber es können auch zwanzig sein. Ich habe gerade wieder Menschen um die vierzig, fünfzig am Strand gesehen, die wie Sechzig oder Siebzigjährige aussahen.

Was kann ich tun, um einen Sonnenbrand ungeschehen zu machen?
Ungeschehen machen geht leider nicht. Der Schaden in der DNA ist da, lässt sich aber lindern. Sie sollten die Symptome bekämpfen, die erst nach 24 Stunden ihren Höhepunkt erreichen. Das heißt kühlen, der Haut viel Feuchtigkeit zuführen und die Entzündungsreaktion durch After-Sun-Produkte hemmen.

Ist es genetisch bedingt, wie meine Haut mit UV umgehen kann? Haben hellhäutige Eltern folglich sonnenempfindliche Kinder?
Ja, absolut. Die Fähigkeit unserer Zellen, mit UV umzugehen, liegt in den Genen und korreliert mit der Nähe zum Äquator. Menschen mit schwarzer Hautfarbe, aber auch Asiaten sind genetisch besser ausgerüstet, um geschädigte Zellen zu reparieren - oder sie gleich in den Selbstmord zu treiben.

Die Zellen begehen Selbstmord, und das ist richtig so?
Ja, die gezielte Entsorgung geschädigter Zellen ist die beste und gesündeste Reaktion. Gefährlich ist es, wenn Zellen, die geschädigt sind, sich weiter teilen können und so veränderte Informationen weitergeben. Denken Sie an die weißen Australier. Die haben auch deshalb so große Probleme mit den Folgen der Sonne, weil sie dem Hauttyp ihrer Vorfahren entsprechen. Und die waren Engländer …

Wohin geht die Entwicklung bei Sonnenschutzprodukten?
Der Schutz ist mittlerweile vollkommen ausreichend. Wir brauchen nicht mehr oder andere Filter, sondern wir müssen den Verbraucher jetzt dazu bringen, sie auch zu benutzen. Deswegen sind vor allem leichte, angenehm kosmetische Texturen wichtig.