Halle Berry
© WireImage.com Halle Berry

Kurvenstars Das Leben ist rund!

Diät-Stress, Fitness-Diktat - das muss nicht sein. In Hollywood formiert sich eine Gegenbewegung, die auf schöne weibliche Formen setzt. Und das kommt an

Coco Chanel hätte bei diesem Anblick

mit Sicherheit die Contenance verloren. Ihr Ideal waren schmale, fast knabenhafte Frauen - aber nun tobt da dieses dralle Wesen halbnackt über die Treppe ihres Pariser Apartments, jauchzt vor Freude, wirft die Arme in die Luft und trägt auch noch Haute-Couture-Dessous von Chanel, mon dieu!

Chanels Kreativdirektor Karl Lagerfeld höchstselbst hat Burlesque-Tänzerin Miss Dirty Martini in die Rue Cambon eingeladen, um sie dort für die "Size Issue" des US-amerikanischen "V Magazine" zu fotografieren. Das Shooting ist Teil eines großen Ganzen: Ihre gesamte Februar-Ausgabe widmet die Zeitschrift der üppigen Weiblichkeit, zeigt Fotostrecken mit Plus-Size-Models in Bikinis, engen Jeans und knappen Tops. Eine Hommage sei die "Size Issue", erklärt Chefredakteur Stephen Gan, eine Eloge auf feminine Formen, ein Statement gegen magere Zeiten.Dass ausgerechnet Lagerfeld daran mitarbeitete, verwundert auf den ersten Blick. Noch vor Kurzem hatte er verkündet: "Runde Frauen will wirklich keiner sehen!" Wenn der Meister im Erspüren neuer Trends nun selbst solche Frauen vor die Kamera bittet, kann das nur eins bedeuten: Die dürren Jahre sind vorbei.

Crystal Renn, das erfolgreichste Plus-Size-Model ließ sich für eine Strecke des "V Magazine" fotografieren. Der Clou: Sie präsentiert in "One Size Fits All" die gleichen Kleider wie das dünne Model Jacquelyn Jablonski.
© Terry Richardson für "V Magazine"Crystal Renn, das erfolgreichste Plus-Size-Model ließ sich für eine Strecke des "V Magazine" fotografieren. Der Clou: Sie präsentiert in "One Size Fits All" die gleichen Kleider wie das dünne Model Jacquelyn Jablonski.

Tatsächlich zeichnet sich diese Wende in der Modewelt ebenso ab wie im Showbiz. Mariah Carey und Rihanna, Jessica Simpson und Salma Hayek, auch einst hauchzarte Models wie Jerry Hall und Linda Evangelista stehen jetzt stolz zu ihren Wohlfühlformen. Viele Designer rücken diese Formen inzwischen ins rechte Licht. Gala fragte Italiens Star-Couturier Roberto Cavalli nach seinem favorisierten Typ Frau. "Ich erwähle niemals magere Frauen zu meinen Musen, sondern immer kurvige und sinnliche", so Cavalli. "Sie sind perfekt für meine Kreationen." Sein US-Kollege Zac Posen will sich nicht so eindeutig festlegen, setzt aber auf Vielfalt. Sein Credo: "Ich finde es sehr wichtig, Kleider zu entwerfen, die jede Größe und jedes Alter widerspiegeln."

Wie zur Bestätigung der neuen Weiblichkeit buchte das deutsche Label Hausach Couture für die Fashion Week, die derzeit in Berlin stattfindet, erstmals Crystal Renn, die Ikone der Plus-Size-Models. Die Idee, ein "etwas anderes Mädchen" auf den Laufsteg zu schicken, hatte Stylist Armin Morbach. "Der Trend zu fülligen Formen ist jetzt da - und ich stehe total dahinter. Wir möchten mit Crystal Renn zeigen, dass es mehr gibt als diese ultradünnen Mächen", sagte er zu Gala. Außerdem würden es die Kundinnen honorieren, wenn Kleider von einem etwas weiblicheren Model vorgeführt werden. "Von den Frauen, die für Couture Geld haben, hat kaum eine Größe 36."

Den Ritterschlag verpasste der Bewegung jedoch die Königin des Salatblatt-Zählens, eine Frau, deren Ja zu femininen Formen die Branche erschütterte. Mit dem Online-Portal modelinia.com sprach "Vogue"-Chefin Anna Wintour über Lara Stone, das verhältnismäßig kurvige Covergirl der Januar-"Vogue": "Obwohl Laras Image nicht in die existierende Norm passt, hoffe ich, dass ihr Erfolg die Mode-Industrie inspirieren wird, die bestehenden Präferenzen zu überdenken." Wenn sich das auch etwas hölzern anhört - die Botschaft kam an.

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