Düfte

So riecht Luxus

Haute Couture fürs Boudoir: Worauf es bei den besten Düften wirklich ankommt und wie viel Aufwand beim Design der Flakons getrieben wird

Aus dem Vollen schöpfen

- unter dieser Maxime hat gearbeitet. 80 Meter Stoff für einen einzigen Rock? Warum nicht! Kostbare Seidenstoffe, feinste Stickereien ... das Beste war dem französischen Modemacher gerade gut genug. "Wahrer ", pflegte der Erfinder des New Look zu sagen, "erfordert das richtige Material und echte Kunstfertigkeit."

Diese Einstellung des Couturiers hat in seinem Mode- und Parfumhaus noch heute Gültigkeit. Designer würdigt den hohen Anspruch bei seinen Kollektionen stets mit fantasievollen Entwürfen. Für die Duftsparte erfüllt Hausparfümeur François Demachy diese Vorgabe gern, schließlich ist sie ein Freibrief, nur die besten Zutaten für seine Mixturen zu erstehen.

Filigrane Feinarbeit beim goldenen Flakon des neuen Dior-Dufts "J'adore L'Or".

Filigrane Feinarbeit beim goldenen Flakon des neuen Dior-Dufts "J'adore L'Or".

Ein Privileg, das er einmal mehr für den neuen Duft "J'adore L'Or" ausschöpft, eine intensive Variante des elf Jahre alten Klassikers "J'adore". Die Kreation schwelgt in satten Floralnoten von hoch konzentrierten Rosen- und Jasminauszügen, die mit Tonkabohne und der pudrig-warmen Note echter Tahiti-Vanille abgerundet werden. "Für diese Komposition wollte ich unbedingt mit den Blüten von Grasse arbeiten", sagt Demachy. Eine weitere Hommage an Christian Dior, der in Montauxroux in der Nähe der Blumen- und Parfümstadt Grasse das Anwesen "La Colle noir" besaß.

In dem Schlösschen, umgeben von 50 Hektar Land, suchte damals "Ruhe und Frieden". Dort erholte er sich von der Geschäftigkeit in seinen Ateliers an der Avenue Montaigne. Sein Kontrastprogramm hieß Gartenarbeit. Den Spaten in der Hand, kultivierte er mit Hingabe Rosenbüsche und Jasmin. Denn er liebte es, wenn deren "exquisit süße" Blütenaromen durch seinen Park zogen.

Im Blütenrausch zu schwelgen, lieben Parfümeure wie Francois Demachy.

Im Blütenrausch zu schwelgen, lieben Parfümeure wie François Demachy.

Das Aroma von Rose de Mai und Jasmin aus der sonnenverwöhnten Provence ist einzigartig. Das liegt an den besonderen klimatischen Bedingungen und den Bodenverhältnissen dieser Region zwischen Alpen und Mittelmeer. Das Terrain ist begrenzt, der Ertrag entsprechend gering. Keine einfachen Voraussetzungen für François Demarchy, um an das passende Quantum Rosen- und Jasminabsolu für seine geplante Essenz zu kommen. Zum Glück lernte er eines Tages die Blumenbauerin Carole Biancalana kennen. Sie pflanzt bei Grasse Rosen und Jasmin an. Demarchy überredete sie, ihre Ernte langfristig ausschließlich an Dior zu verkaufen. So sicherte er den Nachschub für seine neue Komposition auf Jahre.

"Wir haben als große Marke und in unserer Funktion als maison de parfums die Freiheit, so ein Geschäft abzuschließen", schwärmt der Parfümeur. Wobei Freiheit hier eher ein charmantes Synonym für Geld ist. Das "richtige Material" für den neuen Duft ist also ausreichend vorhanden. Jetzt muss noch die Luxus-Prämisse Nummer zwei erfüllt werden - "echte Kunstfertigkeit". Für die ist bei Christian Dior seit 15 Jahren François Gautier zuständig. Der Kreativchef des hauseigenes Designstudios, das die Verpackungen entwirft, muss das L'Or-Goldstück im J'adore-Stil "einkleiden". Eine echte Herausforderung.

"Der neue Duft entspricht in seiner Wertigkeit der Haute Couture", sagt er. Der Sitz der Kleider hängt von der Fingerfertigkeit ab, mit der die Näherinnen, liebevoll "petites mains", "kleine Hände", genannt, mit Nadel und Faden umgehen können. Diesen Faden nahm Gautier auf - in Form einer fein gezwirbelten Goldkordel. Er wickelte sie um den langen, schlicht goldenen sogenannten Massai-Hals, das Markenzeichen des "J'adore"-Flakons, den der französische Künstler Hervé van der Straeten 1999 entwarf. Den so bandagierten Prototypen brachte François Gautier zu einem Pariser Graveurmeister.

Der versierte Handwerker brauchte zehn Versuche, bis er es schaffte, die Garnstruktur originalgetreu auf den Goldkragen der Parfumflasche zu übertragen. Aber dann, voilà - da ist sie, die gewünschte Schneider-Optik. Fläschchen für Fläschchen wird jetzt so herausgeputzt. Fleißige Hände legen es dann behutsam in eine Lage knisterndes Seidenpapier und versenken es in einer weißen Schachtel. Als wär's ein Modellkleid von Christian Dior.

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