Douglas

Mit feiner Nase vorn

Wie aus der verschwenderischen Vision eines schottischen Einwanderers und dem Riecher dreier Frauen in Hamburg ein globales Beautyimperium entstand

Douglas-Parfümerie

Douglas-Parfümerie

Kann die Geschichte eines Unternehmens, in der sich alles um Feinsinn dreht, schöner beginnen? 1820: Ein 29-jähriger schottischer Seifensieder aus der Nähe von Glasgow erreicht den Hamburger Hafen. Das Erste, was er wahrnimmt, als er die Planken des Dreimasters verlässt, ist eine wunderschöne Frau. John Sharp Douglas verliebt sich sofort - und entdeckt dabei sein Empfinden für Schönheit, nicht nur jene der Frau.

Eine Erweckung. Besonders die Düfte der großen Hafenstadt überwältigen den Romantiker, der sich das Geld für die Auswanderung geliehen hat: Blumen, Früchte, die salzige Luft des Nordens, Gewürze, deren Aromen durch die Gassen der Speicherstadt wehen. Die Welt ist Duft - und genau das will der Visionär erschaffen: im Kehrwieder, dem dicht gedrängten Handwerksquartier der Stadt mitten auf einer Insel in der Elbe.

1884: Stolz posieren die 11 Mitarbeiter vor "ihrer" Fabrik

1884: Stolz posieren die 11 Mitarbeiter vor "ihrer" Fabrik

Am 5. Januar 1821 gründet er in der Hamburger Speicherstadt eine Seifen- und Parfumfabrik, die dank moderner Herstellungsverfahren die Luxusgüter für jedermann erschwinglich macht. In seinen Labors kreiert Douglas berühmte Produkte wie die "Kokosnussöl- Soda-Seife": ein Kassenschlager. Die Firma wächst rasant, unter dem Firmennamen "J. S. Douglas Söhne" wird sie nach dem Tod des Gründers 1847 von den Söhnen weitergeführt. Drei Frauen sind es aber, die 1910 einen zukunftsträchtigen Deal eingehen. Anna und Maria Carstens erwerben von Berta Kolbe (inzwischen Inhaberin von J. S. Douglas Söhne) die Lizenz für den Namen und eröffnen die erste Parfümerie Douglas.

Im Mai 1910 eröffnet die erste Parfümerie Douglas am Neuen Wall Nr. 5 - eine der besten Adressen der Hansestadt Hamburg.

Im Mai 1910 eröffnet die erste Parfümerie Douglas am Neuen Wall Nr. 5 - eine der besten Adressen der Hansestadt Hamburg.

Ein perfektes Timing: Zur selben Zeit gründen Elizabeth Arden ihren Salon in New York und Coco Chanel ihre Boutique in Paris - es ist die Zeit der Frauen und der Schönheit. Selbst die Wirtschaftskrise der Zwanzigerjahre kann dem Erfolg nichts anhaben, auch weil die Couturier-Parfums aus Frankreich ein Versprechen wahrmachen: Mit ihren Kreationen kann sich jeder ein Stück Haute Couture leisten. Vor allem jedoch sind es Mitarbeiter, die den Geist des Traditionsunternehmens prägen. So wie die erste Auszubildende im Jahr 1913: Die legendäre Eugenie Schalt arbeitet mehr als 50 Jahre bei Douglas, wird Mitinhaberin - und ist die Seele der Parfümerie. Dieser verbindliche Geist weht auch heute noch durch die derzeit 1200 Filialen weltweit. Allein in Deutschland arbeiten über 1500 Angestellte seit mehr als 20 Berufsjahren bei Douglas.

Susanne Opalka

"Die Zeit muss reif sein für Trends"


Ein Cocktail aus Talent, Erfahrung und unbedingtem Interesse an Marken, Menschen und Kommunikation: So beschreiben die beiden Trendscouts von Douglas die Basis ihres Job: eine Leidenschaft, der sie zu Hotspots rund um den Welt führt – und ganz nah an die Wünsche der Kunden.

Hommage an J. S. Douglas: die drei neuen nostalgischen Produktlinien (5 bis 15 Euro).

Hommage an J. S. Douglas: die drei neuen nostalgischen Produktlinien (5 bis 15 Euro).

An welchen Orten können Sie momentan Trends entdecken?Oliver Hedfeld Nach wie vor Paris, Mailand, London, New York und immer öfters Berlin. Events sind wichtig, wie die Berlinale oder die Verleihung des Comet. Da trifft man die Trendsetter: Leute aus Film, Musikszene und TV.
Christian Möller Immer noch und immer wieder die Oxford Street in London! Und natürlich die Messen in Bologna, Cannes und Düsseldorf.

Was ist Ihre größte Herausforderung?
Oliver Hedfeld Wir müssen Trends aufspüren, die verkaufbar sind, und zwar für eine sehr weit gefasste Zielgruppe: für Männer und Frauen, für Menschen von acht bis 80. Wie man sich vorstellen kann, ist das nicht leicht.
Christian Möller Für uns ist es natürlich sehr wichtig, auch die Kolleginnen und Kollegen in den Parfümerien mit ins Boot zu holen, denn die sind ja Botschafter der neuen Produkte. Wir können da sehr hartnäckig sein.

Christian Möller, 29, und Oliver Hedfeld, 37, touren als "Trendnasen" für Douglas durch die Welt und sind verantwortlich für das

Christian Möller, 29, und Oliver Hedfeld, 37, touren als "Trendnasen" für Douglas durch die Welt und sind verantwortlich für das Aufspüren neuer Marken und Produkte - vor allem Duftprojekten gilt ihre Leidenschaft.

Inwiefern?
Oliver Hedfeld Ed Hardy ist das beste Beispiel. Da waren alle am Anfang sehr skeptisch: zu plakativ, zu schrill und ob das funktionieren könne mit diesen Tattoos, den Totenköpfen? Aber wir lagen goldrichtig. Ed Hardy ist der größte und erfolgreichste Dufterfolg in der Douglas-Geschichte.

Arbeiten Sie mit eng den Filialen zusammen?
Oliver Hedfeld Ja, natürlich, wir halten engen Kontakt mit allen Filialen, denn die Mitarbeiter wissen am besten, was sich die Kunden wünschen. Wir kommen gerade wieder von einer Tour.

Sie gehen auf Kundenwünsche ein?
Christian Möller Sicher! Die Verbraucher sind wirklich sehr gut informiert. Konkret wurde uns zum Beispiel gesagt, dass Kunden sich eine exklusive, aber günstige Haarpflege wünschen. Da haben wir dann die "Basic Haircare" des Düsseldorfer Haarstylisten Oliver Schmidt aufgetan.

Und wo hat Sie Ihre Spürnase im Stich gelassen? Gibt es Trends, die an Ihnen vorbeigerauscht sind?
Oliver Hedfeld Verpasst haben wir nichts, wir waren teilweise eher zu früh. Das hat dann leider den gleichen Effekt, zum Beispiel bei Naturkosmetik und Mineral-Make-up. Die hatten wir schon lange, aber die Zeit war noch nicht reif.
Christian Möller Ein wenig gilt das wohl auch für den Police-Duft. Die Marke ist bei uns noch nicht richtig bekannt, in den USA jedoch ist sie heiß, David Beckham und George Clooney tragen ihre Sonnenbrillen.

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