Busch-Männer: Hugh Jackman
© Bulls Press Hugh Jackman

Busch-Männer Das Comeback der Brusthaare

Kaum ist der Vollbart-Hype in Hollywood durch, diskutieren Styling- Experten südlicher gelegene Körperregionen. Sie verkünden: Mann darf sich wieder getrost auf die behaarte Brust trommeln

Ich, allein unter Glattrasierten. Das dürfte sich Michael Fassbender bei den Golden Globes gedacht haben. Nominiert für seine Rolle als Sklaventreiber in dem Südstaatendrama "12 Years A Slave", schlenderte er als Einziger mit wuschelig rotem Gestrüpp im Gesicht in den Festsaal des "Beverly Hilton". Wo waren sie, die zotteligen Herren von 2013: Clooney, Affleck, Farrell, Pitt? Akribisch rasierte oder auf ein Minimum zurückgestutzte Gesichtsbehaarung, so weit das Auge reichte. Gut, Schauspielkollege Joaquin Phoenix hatte es wieder nicht rechtzeitig in den Barbershop geschafft. Aber der zählt nun wirklich nicht in Stilfragen. Und Fassbender selbst? Dessen üppiger Bart ist rein beruflicher Natur, er steht gerade als Macbeth vor der Kamera. Es muss also gefragt werden: Warum der Sinneswandel?

Ein Blick zurück im Rasierspiegel: Es war ein bis dato unbekanntes Model aus Paris, das vor rund vier Jahren einen weltweiten Bart-Boom auslöste. Patrick Petitjean hieß der Knabe mit dem ziemlich skandalösen Vollbart. Damit bewarb er die Herbstmode eines schwedischen Modegiganten. Statt total cooler Großstadtjungs stand plötzlich ein Raubein im Mittelpunkt. Einer, dem man zutraut, in der Wildnis Feuer zu machen und so. Dann entdeckte die kreative Boheme den Bart als neues Lieblingsaccessoire – nach dem versilberten Zigarettenetui selbstverständlich. Die "Movember"- Bewegung – eine NGO, die per Schnauzer fürs Thema Männergesundheit sensibilisieren will – machte die Oberlippenzierde endgültig zum Kult, nicht nur auf Facebook.

Busch-Männer: Echte Superhelden waren schon immer behaart! James-Bond-Legende Sean Connery und "Magnum"-Darsteller Tom Selleck (r.) gelten bis heute als Sinnbild echter Männlichkeit. Jetzt ist ihr Look zurück.
© Picture AllianceEchte Superhelden waren schon immer behaart! James-Bond-Legende Sean Connery und "Magnum"-Darsteller Tom Selleck (r.) gelten bis heute als Sinnbild echter Männlichkeit. Jetzt ist ihr Look zurück.

Cut, alles vorbei. Der geschniegelte "Wolf Of Wall Street"-Look hat die zauselige Zach-Galifianakis-Optik ("Hangover") von der Leinwand verjagt. Zumindest oberhalb des Halses. Auf der Brust nämlich darf wieder gezüchtet werden. Klingt schizophren? Hey, that's Hollywood. "Kahle Hühnerhaut mit eingewachsenen Haaren ist gar nicht sexy und definitiv out", sagt Star-Barbier Luis Payne vom Salon Hairroin in Los Angeles. In dem Beauty-Hotspot zwei Blocks vom berühmten Walk of Fame entfernt – das Interieur mixt düsteren Rock'n'Roll mit glamourösem Rokoko – lassen sich männliche Showbiz-Alphatiere wie Will.i.am oder Steven Tyler nicht nur Kopf- und Barthaar stutzen. Auch die Brustpartie wird gestylt. Ja, richtig gehört. Gestylt! "Trimmed and natural", beschreibt Ganzkörper-Coiffeur Payne den Trend.

Wer also hoffte, den Rasierer für immer einmotten zu können, liegt leider falsch. Sorry. Der animalische Magnum-Pelz von Serienheld Tom Selleck kommt vorerst nicht zurück. Das haarlose Waschbrett von Taylor Lautner aber auch nicht. Insider sprechen vielmehr vom "Hugh-Jackman-Look". "Die mittlere Brust ist dabei voll behaart, zu den Schultern nimmt die Dichte etwas ab. Am Bauch bleibt eine breite Spur stehen, ich nenne sie den ‚Happy Trail'. Sie definiert optisch das Sixpack", erklärt Luis Payne das Signet der neuen Männlichkeit. Einziges No-Go: "Das Brusthaar darf nicht mit den Achselhaaren zusammenwachsen, auch über das Schlüsselbein sollte nichts herausragen!"

Busch-Männer: Robbie Williams macht es vor, aus dem leicht geöffneten Hemdkragen dürfen also Brusthaare hervorlugen!
© Getty ImagesRobbie Williams macht es vor, aus dem leicht geöffneten Hemdkragen dürfen also Brusthaare hervorlugen!

Also rein mit der neuesten "Wolverine"-DVD und raus mit den Scherköpfen. Der Experte aus Hollywood empfiehlt einen Körperhaartrimmer mit einem kleinen Aufsatz für delikate Zonen. Apropos. Die haarige Diskussion wandert munter südwärts. Schuld ist ausgerechnet Gwyneth Paltrow. Mitte der Neunzigerjahre strahlte die Schauspielerin noch aus dem Bilderrahmen in einem New Yorker Waxing-Studio und bekannte, kein Haar an ihrer Scham zu lassen. "Ihr habt mein Leben verändert", stand dort geschrieben. Halb Manhattan tat es ihr gleich und zog blank, während Frauenrechtlerinnen wetterten. Die Komplettrasur wurde zum letzten Heißwachsschrei, nicht nur am Porno-Set. Jetzt verkündete Paltrow in der Talkshow "Ellen", sie trage untenherum inzwischen wieder den Seventies-Style. Alles zurück auf Busch? Bei solchen Statements müssten Männer eigentlich ein P für Panik im Auge haben. Hatten wir uns doch gerade daran gewöhnt, jeglichen Wildwuchs glattzumähen. Ron Jeremy war gestern, geht klar. Getreu der Porno-Devise "back, crack, sack" rasierten wir Brust- und Schambereich fleißig weiter. Schließlich versprach uns die von Rasierermarken angeheizte Propaganda mehr Hygiene, besseren Sex und was man(n) sich noch so einbilden wollte.

Okay, Hosen runter: Was ist nun der aktuelle Haartrend zwischen den Beinen? Kahlschlag oder pure Natur? Keins von beidem, verrät Luis Payne von Hairroin: "Die meisten Männer werden ihr Intimhaar um den Penis weiterhin kurz halten. Schließlich sieht das beste Stück dann größer aus. Die übrige Schambehaarung sollte soweit gekürzt werden, dass sie sich nicht im Reißverschluss verfangen kann. Oder bei anderweitigen Aktivitäten stört."

Auch im Hardcore-Biz scheint sich ein Wechsel abzuzeichnen. "The bush is back", meint Darsteller James Deen, der durch das "Shades of Grey“-Casting und einen Lindsay-Lohan-Flop auch außerhalb von Schmuddelfilmen zum Sexsymbol aufstieg. "Ich wäre echt sauer, wenn mir jemand vorschreiben würde, wie ich meinen Penis zu stylen habe. Gewachst, getrimmt, Urwald oder Landingstrip – alles geht", meint Deen und verabschiedet damit zugleich die bisherige No-Hair-Doktrin seiner Branche. Und die Moral dieser haarigen Geschichte? Für die Brustmatte sowie Frisuren unterhalb der Gürtellinie gilt "Dein Haar gehört dir, Mann". Der Bart? Der bleibt denen, die schon vor dem Hype einen trugen. Denn wer ständig zwischen Babyface, Stoppeln und Rübezahlgefusel wechselt, beweist vor allem eines: Unsicherheit. Total unsexy.