Berlinale 2010 - Andrej Baranow

Make-up mit Charakter

Andrej Baranow sorgt auf der Berlinale dafür, dass Stars wie Renée Zellweger perfekt aussehen. Und verriet Gala.de nebenbei ein paar Schönheitsgeheimnisse

Andrej Baranow

Andrej Baranow

Andrej Baranow ist auf dem Olymp

seiner Zunft angekommen: Als offizieller Make-up-Künstler der Berlinale kümmert er sich schon seit elf Jahren um das Aussehen der Stars und lässt sie im Scheinwerferlicht umwerfend aussehen. Im Rahmen der Berlinale sprach er mit Gala.de über die Arbeit mit Stars, Make-up-Trends und wie rote Lippen am besten eine wilde Party überleben.

Wie bereiten Sie sich auf ein Event wie die Berlinale vor?

Ich habe in den letzten Wochen viel Sport gemacht - und Yoga. Wirklich darauf vorbereiten kann man sich nicht, das war in der letzten Zeit die Ruhe vor dem Sturm, aber es schadet nicht, wenn man körperlich fit ist.

Berlinale 2010

Glanz und Glamour in Berlin

In einer silbernen Robe zieht Karoline Herfurth die Kameras auf sich.
Auf High-Heels von Christian Louboutin stolziert Renée Zellweger am letzten Abend über den roten Teppich.
Stolz präsentiert uns Tamara Gräfin von Nayhauß ihren Kugelbauch. Im Sommer erwartet sie ihr zweitees Kind.
Armin Rohde bittet zum Tanz.

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Und mental?

Das ist ganz witzig, ich kam am Mittwoch zu den Vorbereitungen zum Aufbau und am Donnerstag kam dann der Dieter Kosslick rein und fragte "Wart ihr eigentlich weg?" Und ich antwortete nur "War ein langes Wochenende". Es kommt einem also mittlerweile wirklich so vor, als sei man nur ganz kurz weg gewesen. Es ist in der Berlinale-Lounge auch seit Jahren das gleiche Team und deswegen ist es wie ein alljährliches Familientreffen. Das macht sehr viel Spaß und dadurch ist man sehr schnell auch wieder drin.

Wie sieht der Berlinale-2010-Glamourlook aus?

Der Berlinale-2010-Glamourlook ist so vielfältig wie das Wetter kalt ist. Grundsätzlích haben wir von L'Oréal jetzt mal ein leichtes Augen-Make-up genommen, also einen Lidstrich, dunkel getuschte Wimpern und einen pinken Lippenstift. Parallel dazu gibt es aber nach wie vor das ausschattierte Auge à la Smokey Eyes. Das ist abhängig vom Frauentyp und von dem, was die Frau anhat.

Andrej Baranow im mobilen Make-up-Studio von L'Oréal.

Andrej Baranow im mobilen Make-up-Studio von L'Oréal.

Gestern zum Beispiel habe ich Lena Herzog, die Frau von Werner Herzog geschminkt, die ein mädchenhaftes, kurzes, beiges Kleid anhatte. Da haben wir dann entschieden, die Haare offen zu lassen und wenig Make-up zu machen. Insofern ist, was diese Berlinale angeht, eine ganze Menge möglich.

Sie sind DER Make-up-Künstler der Berlinale und haben schon mit etlichen Stars zusammengearbeitet: Gibt es dennoch jemanden, bei dem Sie noch aufgeregt sind?

Das gibt es immer wieder. Grundsätzlich habe ich Respekt vor meinem Job und immer, wenn ich Menschen noch nicht kenne, ist da ein schummeriges Gefühl. Auch jetzt bei Renée Zellweger war die Frage: Wie kommen wir miteinander klar? Es sind ja immer auch Persönlichkeiten, die aufeinander treffen. Richtig weiche Knie hatte ich allerdings vor drei Jahren, als ich mit Lauren Bacall arbeiten durfte. Lauren Bacall, das ist einfach … Ich meine, wenn Marilyn Monroe noch leben würde, würden sie im gleichen Atemzug genannt werden. Das war sehr spannend, da hatte ich natürlich schlotternde Knie, auch am dritten Tag noch.

Was tun Sie denn dagegen, Sie brauchen doch nun wirklich eine ruhige Hand?

Es schlottern ja nur die Knie (lacht). Nein, man kann sich ja zurückbesinnen auf das, was man gelernt hat, was man jahrelang praktiziert, auf die Technik eben. Ich darf ja dieses Schlottern den Schauspielerinnen gar nicht zeigen, ich würde sofort an die Wand geklatscht werden. Mir ist das einmal bei einer sehr bekannten französischen Schauspielerin passiert - nein, es war nicht Catherine Deneuve, mit der bin ich sehr gut klargekommen - bei der ich nicht gesagt habe "Bis hier hin und nicht weiter" und die hat mit mir zwei Tage lang gemacht, was sie wollte. So sehr, dass ich selber daran gezweifelt habe, dass ich irgendetwas kann. Also, man darf diese Unsicherheit nicht zeigen, selbst wenn man sie hat.

Haben die Stars denn auch kleine Fehlerchen, die besondere Herausforderungen an Sie stellen?

Ja! Haben sie alle, aber was heißt Fehlerchen? Sie haben alle kleine Mäkelchen, die ihnen an sich selber nicht gefallen, die sie kaschiert haben möchten, und Dinge, die sie betont haben möchten und liebgewonnene Gewohnheiten. Promis sind ja auch Menschen. Und vor allem, wenn man dann so in eine intime Privatsphäre eindringt wie in ein Hotelzimmer - das ist ja fast wie mit jemandem nach hause gehen. Na ja, nicht ganz, aber es ist kein Maskenraum und man ist ganz alleine mit diesem Menschen und da kommt Menschlichkeit ganz einfach zum Vorschein.

Setzen Sie bei der Berlinale auch Frühjahrslooks mit Pastelltönen, Knallfarben für die Lippen und Glanz-Make-up um?

Eher selten: Die Schauspielerinnen, die sich damit zeigen, sind ja nicht dazu da, Botschafter für Make-up oder Mode zu sein, sondern Botschafter für sich, für den Film. Da macht man eher trendunabhängige Make-ups, die den Charakter unterstützen. Man hat die Trends im Hinterkopf, auch welcher Kleidungsstil gerade Trend ist. Ich durfte prophezeien, dass in diesem Jahr jemand, der ganz vorn mit dabei ist, sicherlich ein dunkelblaues Abendkleid wählen wird - dank Renée Zellweger und Tilda Swinton ist es bewiesen worden. Das bedeutet, die 80er sind wieder da und da kann man auch beim Make-up anders arbeiten. Nägel in French Manicure sind immer wunderbar, aber wir haben jetzt dunkle Dinge: Dunkelblau, Dunkelgrün, Dunkellila, Dunkelrot. Selbst dann, wenn man eigentlich ein cleanes Make-up, also den Nude-Look, hat.

Andrej Baranow im Gespräch mit Carla Quick für Gala.de.

Andrej Baranow im Gespräch mit Carla Quick für Gala.de.

Sind Smokey Eyes eigentlich immer noch das beliebteste Augen-Make-up?

Smokey Eyes haben sich langsam zu einem Klassiker entwickelt. Ähnlich wie der Lidstrich, der in den 40er, 50er Jahren auftauchte oder die Banane als Hochsteckfrisur. Zumal man ja Smokey Eyes mit jeder Farbe machen kann, nicht nur in Grau oder Braun. Das ist ja nur eine Technik, Augen dramatisch und groß aussehen zu lassen.

Andrej Baranow schminkt die Schauspielerin Julia Jentsch.

Andrej Baranow schminkt die Schauspielerin Julia Jentsch.

Wie überstehen knallrote Lippen eine lange Partynacht? Verraten Sie uns einen Tipp?

Man schminke sich die roten Lippen, stelle sich in eine Ecke, trinke nichts, esse nichts und stehe nur da (lacht). Nein, es gibt ja mittlerweile Produkte, bei denen man erst die Farbe aufträgt und dann alles mit einem Lack überzieht. Früher hatten wir ja immer das Problem, dass langanhaltende Lippenstifte so trocken waren, dass man sie gar nicht vom Stift auf die Lippe bekam und wenn sie doch einmal drauf waren, bekam man sie nicht mehr runter. Jetzt gibt es Zwei-Phasen-Produkte, so dass man zunächst die Farbe auf die Lippen aufträgt ohne Glanz, sie kurz trocknen lässt und dann erst den Glanz aufträgt. Ich will jetzt nicht behaupten, dass, wenn man jetzt wirklich wild knutscht und isst und trinkt da nichts passiert, aber die Farbe bleibt definitiv sehr viel länger auf den Lippen und man muss sich sehr viel seltener nachschminken.

Wie entwickeln Sie neue Make-up-Ideen?

Rituale würde ich für übertrieben halten: Das einzige Ritual, das ich mittlerweile wirklich habe, ist der Notizblock neben dem Bett, weil mir sehr häufig Sachen mitten in der Nacht einfallen. Ich setze mich nicht an einen Schreibtisch und denke "So, jetzt entwickle ich mal den Look". Das hat ganz viel mit Zeitgeist zu tun und mit dem, was man auf der Straße sieht, in Möbelhäusern, in Supermärkten. Man speichert einfach ganz viele Details, die irgendwann ein Bild ergeben. Das kann sich über Tage und Wochen hinziehen. Erst dann, wenn ich schon ein relativ klares Bild habe, entwerfe ich es in Form von Scribbles oder Collagen. Ich arbeite viel mit Moodboards, anstatt ein Gesicht zu haben und zu sagen, da möchte ich jetzt diesen Strich haben. Wenn man zum Beispiel die Achtziger nimmt, da war dieses knallige Blau oder Pink nicht nur auf den Lippen oder Nägeln zu sehen, das gab's auf Klamotten und überhaupt überall. Damalige Clubs waren teilweise so ausgestattet. Man muss einfach immer die Augen offen halten.

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