Al Gore
© Getty Al Gore

Al Gore Die Welt in ihren Händen

Heiße Luft ist ihre Sache nicht: Als Power-Duo wollen Al Gore und Sir Richard Branson gegen die Klima-Katastrophe kämpfen. Mit Musikstars und jungen Talenten

Normalerweise können Leute wie Al Gore, 58,

gar nicht mit Typen vom Schlag eines Richard Branson, 56. Das geht schon früh los. Gore, braver Baptistensohn und Einserkandidat, gehörte zu den Kindern, die im Klassenzimmer stets vorn sitzen, sich freiwillig zum Tafelwischen melden und dem Lehrer die Tasche tragen. Branson dagegen heckte auf der letzten Bank Streiche aus, bis er mit sechzehn wegen Rabaukentums von der Schule flog. Für Musterknabe Al Gore hätte er damals wohl nur Papierkügelchen übriggehabt - um sie ihm mit einem breiten Grinsen an den Kopf zu schnippen.

Der Streber und das Schlitzohr, ausgerechnet dieses ungleiche Paar will jetzt als Öko-Gespann heldenhaft die Welt retten. Der Plan entstand vor gut einem Jahr, bei Toastbrot und Rührei in Bransons Londoner Garten. Der milliardenschwere Airline-Chef, Abenteurer und Raumfahrtvisionär hatte den "Ozon-Mann", wie der frühere US-Präsident Bill Clinton seinen Vize nannte, zum Frühstück eingeladen. Um sich bei Gore über die Notwendigkeit alternativer Energien zu informieren. Seit Jahrzehnten eine Herzensangelegenheit des Politikers. Nachdem Gore seinem Gastgeber zwei Stunden lang Vorträge über die Gefahren schmelzender Gletscher und wachsender Wüsten gehalten hatte, war der anfänglich noch zweifelnde Branson nicht nur bekehrt, sondern bereit, mit vollem Körper- und Konto-Einsatz für ein besseres Klima zu kämpfen. Und zwar so, wie man es von jemandem erwartet, der schon im Heißluftballon den Atlantik überquerte - spektakulär! Branson sucht den Öko-Star: 19 Millionen Euro bietet Richard Branson demjenigen, der es schafft, eine Art Staubsauger zu entwickeln, mit dem sich große Mengen an Treibgas in der Atmosphäre killen lassen. Eine Jury, in der Gore und vier Wissenschaftler sitzen, soll die Erfindungen aller talentierten Bewerber beurteilen und einen Gewinner ermitteln. Was dauern kann. Wenn es dann so weit ist, beschlossen die Weltretter, muss die Menschheit schon erwärmt sein für ihre globalen Ziele.

Der Höhepunkt: ein Konzertspektakel

Der Paukenschlag ihrer Kampagne ist für ein symbolträchtiges Datum angesetzt: Am 7.7.07 soll "Live Earth", ein Konzertspektakel in sieben Städten auf sieben Kontinenten - die Antarktis mal mitgerechnet - Milliarden Menschen aufrütteln. Was man sicherlich als Höhepunkt von Al Gores Mission ansehen kann. Und das nicht nur, weil nun niemand mehr über "Gore, the Bore", den Langweiler, lästert. Obwohl er seine Anzüge stets eine Nummer zu stramm trägt und immer die passende Miene zur kneifenden Hose aufsetzt. Zum Beispiel, wenn er hölzern neben Rockstars posiert. Oder nicht weiß, ob er Sexsymbol Cameron Diaz die Hand auf die Schulter oder an die Hüfte legen soll - und sich deshalb für die eigene Hosentasche entscheidet. Das Spiel mit der Kamera ist nicht Gores Ding. Im Präsidentschaftswahlkampf 2000 hatte ihm wohl auch diese Schwäche den Weg ins Weiße Haus versperrt. Aber nun, wo es nicht mehr nur um seine Person geht, sondern um den Patient Erde, scheint die Stunde des Mannes aus Tennessee gekommen zu sein. Plötzlich ist er für den Friedensnobelpreis nominiert, sein Doku-Drama "Eine unbequeme Wahrheit" begeistert das Publikum und wurde inzwischen mehrfach prämiert. Und: Er hat diesen neuen, reichen Freund gefunden.

Auf Bitten von Al Gore versprach Richard Branson, Boss des "Virgin"-Imperiums, innerhalb der nächsten zehn Jahre sagenhafte 2,4 Milliarden Euro für die Umweltschutzorganisation "Clinton Global Initiative" locker zu machen. Das entspricht in etwa dem Gewinn, den er in diesem Zeitraum mit seinen Fluglinien, seinen Eisenbahnen und dem Weltraumprojekt "Virgin Galactic" einfahren wird. In New Mexico legte der weitblickende Tycoon den Grundstein für den ersten privaten Weltraumbahnhof. Ab 2009 will Branson Touristen zum Mond schießen. So klimaschonend wie möglich.

Brabson ist ein Macher

Wie ein Katastrophenfilm made in Hollwood erscheine ihm die Entwicklung in Sachen Umwelt, meinte Branson neulich. "Es wird immer brenzliger, aber die Leute sehen tatenlos zu und warten auf Superman, der sie aus dem Schlamassel holt." Eine Rolle, die maßgeschneidert scheint für den lässigen Bartträger, der auf Du und Du steht mit Popstars der ersten Liga, der von der Queen zum Sir geadelt wurde und als einen seiner Hauptwohnsitze die Karibik-Trauminsel Necker Island nennt. Unter Palmen regelt Branson von dort die Geschäfte seines 250 Firmen umfassenden "Virgin"-Reichs, das er aus dem 1969 gegründeten Versandhandel für Schallplatten schuf. Neben dem Transportsektor gehören auch Brautmoden, Softdrinks, Wein und Mobilfunknetze dazu. Wer so etwas Gewaltiges schafft, kann vielleicht sogar geschmolzene Polkappen wieder einfrieren... Bisher zumindest hat Branson kein Wagnis gescheut, jede Herausforderung angenommen, immer wieder Rekorde aufgestellt. Beispielsweise, als er vor zwei Jahren mit einem Amphibienfahrzeug über den Ärmelkanal bretterte. So einem jubeln die Leute zu, auch wenn es um Sparglühbirnen und Bio-Treibstoff geht. Vielleicht wird Branson der erste Mann, der per Rapsantrieb ins All fliegt. Sein Kumpel Al Gore wäre dann sicher mit an Bord. Auf dem Platz ganz vorn natürlich.